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24.05.2012

Gesänge zu Ehren der Heiligen Jungfrau - Das Album “Filia Sion” von Vox Clamantis

Das estnische Vokalensemble Vox Clamantis hat unter der Leitung von Jaan-Eik Tulve Gregorianische Gesänge und mittelalterliche Musik aufgenommen, die dem Thema der "Filia Sion" gewidmet sind.

Vox Clamantis, Gesänge zu Ehren der Heiligen Jungfrau © Taniel Kirikal / ECM Records Jaan-Eik Tulve

“Filia Sion” ist die erste Veröffentlichung auf ECM New Series, die ganz der estnischen Vokalgruppe Vox Clamantis gewidmet ist. Seit seinen Anfängen hat sich das Ensemble auf Gregorianischen Gesang als das Fundament der europäischen Kunstmusik konzentriert. Zugleich hielt es dabei stets eine enge Verbindung zu zeitgenössischen Komponisten wie Arvo Pärt, Helena Tulve und Erkki-Sven Tüür. Der Interpretationsansatz von Vox Clamantis ist daher nie rein historisch. Das Ensemble strebt nach Wahrhaftigkeit gegenüber dem Geist seines mittelalterlichen Repertoires. Seine Herangehensweise mit der Fokussierung auf den Klang, Textur und die Verschmelzung der Stimmen ist jedoch als eine dezidiert zeitgenössische zu betrachten.

Gregorianik mit zeitgenössischem Anstrich

“Für die Wirkung des Gregorianischen Gesangs als monophone Musik ist die Stimmenverschmelzung von herausragender Bedeutung. Und für unser Ensemble ist die Arbeit am Klang und an den Farbe der Stimmen stets ein Hauptaugenmerk gewesen”, erklärt Ensembleleiter Jaan-Eik Tulve. Zur Zusammenstellung des Repertoires aus verschiedenen Jahrhunderten führt er aus: “Ich begann mit Gregorianischem Gesang und kam später aus verschiedenen Gründen zur zeitgenössischen Musik: Zum einen ist da mein persönliches Interesse an bestimmten zeitgenössischen Kompositionen, die vor allem vom Klang her gedacht sind und wo die horizontale musikalische Phrase und die Melodik in einem tieferen Sinne im Mittelpunkt stehen. Zum anderen hat unser Ensemble das Glück gehabt, dass eine Reihe estnischer Komponisten Stücke für uns geschrieben haben, weil sie unsere Auffassung von Klang, Phrasierung und dem musikalischen Ausdruck als Ganzes schätzen.”

Die Heilige Jungfrau als Leitthema

Bezug nehmend auf eine reiche Musiktradition, die sich auf das biblische Thema der “Filia Sion” stützt, singen Vox Clamantis auf dem vorliegenden Album mittelalterliche Musik von Gregorianischen Gesängen über Werke von Perotin, Hildegard von Bingen und Petrus Wilhelmi de Crudencz. Im Alten Testament bezieht sich der Begriff “Filia Sion” (Tochter  Zion) sowohl auf die Heilige Stadt Jerusalem als auch auf das jüdische Volk als Erbauer des Tempels auf dem Berg Zion. In der christlichen Tradition des Mittelalters wird die Heilige Maria zur Inkarnation der Tochter Zion als Personifikation der Kirche. Jaan-Eik Tulve: “Das Repertoire der CD kristallisierte sich organisch aus unseren Konzertaktivitäten. Wir konzentrieren uns besonders auf der Thema der Jungfrau Maria, die für mich als Persönlichkeit von zentraler Bedeutung ist und auch von der mittelalterlichen Musik hoch geschätzt wird.”

Das Album als Ergebnis von Gemeinschaftsarbeiten und Improvisationen

Zum Inhalt des Albums erklärt Tulve: “Die CD enthält eine Reihe von Gemeinschaftsarbeiten mit Musikern aus unterschiedlichen Traditionen. ‘Ma Navu’, das letzte Stück der CD etwa, entstammt einem Programm mit jüdischer Musik. Die meisten unserer Arrangements gehen aus Improvisationen während unserer Proben hervor. Nachdem beispielsweise einige unserer Sänger begonnen hatten sich mit Obertongesang zu beschäftigen, übernahmen wir diese Gesangstechnik in unserer Repertoire. Für die CD erschien uns ihr Einsatz am passendsten bei den Pedaltönen Perotins.”

Vox Clamantis werden das Programm ihres Albums “Filia Sion” während der Sommermonate auf Konzertreise durch Estland vorstellen und ab Herbst auch in anderen europäischen Ländern.