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14.05.2012

Cembalo am Rande des Zusammenbruchs - George Gruntz

George Gruntz, Cembalo am Rande des Zusammenbruchs - George Gruntz © Universal Music Georg Gruntz, c universal music

Letzte Woche wurde an dieser Stelle aus der Serie JAZZ CLUB CLASSICS eine Wiederveröffentlichung von Pianist Eugen Cicero vorgestellt. Der war beileibe nicht der einzige, der in den Sechziger Jahren, beeinflusst von Jacques Loussiers Erfolgskonzept "Play Bach", Jazz zum Swingen brachte. Auch Pianist und Bigband-Leader George Gruntz, eine Art Vaterfigur des schweizerischen Jazz, orientierte sich am Loussier'schen Vorbild und spann dessen Ideen mutig weiter. Seine für Philips eingespielten Alben "Jazz Goes Baroque" (1964) und "Jazz Goes Baroque 2 - The Music Of Italy" (1965) erscheinen jetzt gemeinsam auf einer preiswerten CD.

Anders als Kollege Loussier nahm George Gruntz allerdings nicht am Flügel, sondern am historischen Cembalo Platz. Beide LPs entstanden im berühmten Meistersaal des ehemaligen Esplanade-Hotels in West-Berlin, der damals als Philips-Tonstudio fungierte. Unter der künstlerischen Leitung des heutigen ACT-Labelchefs Siegfried E. „Sigi“ Loch brachte George Gruntz Klassiker und heimliche Perlen der Barockmusik vital zum Swingen, und das sonst so zart tönende Cembalo verwandelte sich in ein erstaunlich dynamisch klingendes Instrument, dem Gruntz an einigen Stellen beinahe Synthesizer-Sounds entlockte. Auf "Jazz Goes Baroque" adaptiert Gruntz u.a. Telemann, Händel, Pachelbel und Corelli, und kann eine grandiose Rhythmusgruppe aus Bassist Peter Trunk und Schlagzeuger Klaus Weiss vorweisen. Als prominente Instrumentalstimmen sind Flötist Emil Mangelsdorff und Klaus Doldinger dabei, der an Klarinette und Sopransaxophon beinahe ekstatische Akzente setzt. Auf "Jazz Goes Baroque 2 - The Music Of Italy" erklingen dagegen Werke von Vivaldi, Monteverdi, Albinoni oder Scarlatti, den Gesamtklang variiert Gruntz gegenüber dem Vorgängeralbum durch den Einsatz einer prominent besetzten Flöten-Section mit u.a. Leo Wright und Sahib Shihab. Am Schlagzeug glänzt der Swingle-Singers-Dummer Daniel Humair.

Ob das Berliner Cembalo das "Jazz Goes Baroque"- Experiment überlebt hat, ist nicht überliefert. Eines aber ist sicher: für den Hörer hat es sich gelohnt, denn auch heute noch machen diese frühen „Crossover“-Exkursionen Spaß und brechen solide geglaubte musikalische Mauern ein.