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11.05.2012

Jazz Club: Cicero spielt Klassik – darf der das?

Man kann sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen, welch einen Skandal der französische Pianist Jacques Loussier 1959 auslöste, als er sein Album „Play Bach“ veröffentlichte.

Eugen Cicero, Jazz Club: Cicero spielt Klassik – darf der das? © Universal Music Eugen Cicero, c universal music

Bach als Jazz - damals noch ein Sakrileg. Das wurde allerdings zum Bestseller und zog zahllose ähnliche Aufnahmen nach sich. Zwei davon hat jetzt die JAZZ CLUB-Serie ausgegraben. Nachdem es zunächst hochgezogene Augenbrauen und Kritikerschelte für Loussiers „Play Bach“ gegeben hatte, hörten auch die Klassikfreunde aufgrund des Charterfolges noch einmal genauer hin und befanden: das war grandios gemacht! Bachs mathematisch strenge Kompositionen und die Freiheit eines improvisierenden Jazz-Trios passten erstaunlich gut zusammen.

Sogar Glenn Gould soll damals seinem Kollegen Anerkennung gezollt haben. Der geschäftstüchtige Loussier machte kurzerhand aus „Play Bach“ eine LP-Serie. Wenig später kamen, ebenfalls aus Frankreich, die Swingle Singers und übersetzen Loussiers Idee in swingende Chormusik. Jazz-Kenner werfen Jacques Loussier allerdings bis heute vor, nicht wirklich zu swingen. Seinem Kollegen Eugen Cicero, einem nach Deutschland ausgewanderten ehemaligen rumänischen Klavier-Wunderkind, konnte man das nicht vorwerfen. Er war ein Jazz-Viruose, der es jederzeit mit einem Oscar Peterson aufnehmen konnte.

Für das deutsche MPS-Label nahm er, inspiriert von Loussier, eigene Bestseller-LPs wie „Rokkoko-Jazz“ und „Cicero’s Chopin“ auf. Jetzt erscheinen zwei rare Cicero-Perlen gemeinsam auf einer JAZZ CLUB-CD: "Marching The Classics" und "Balkan Rhapsody" (beide 1970). Auf der ersten bringt Cicero, zusammen mit Bassist J.A. Rettenbacher und Drummer Kenny Clarke, klassischen Märschen das Swingen bei, auf der zweiten spielt er, mit Bassist Peter Witte und Drummer Charly Antolini, Bearbeitungen von Volksliedern seiner rumänischen Heimat. Beide Wiederentdeckungen erinnern einmal mehr an das enorme Talent des 1997 verstorbenen Vaters von Sänger Roger Cicero. Und glücklicherweise regt sich heutzutage über swingende Klassik auch kein Kritiker mehr auf.