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26.04.2012

Wehmütiger Abschied von der europäischen Tradition - Dennis Russell Davies dirigiert Bartók und Lutosławski

Dennis Russell Davies und das Stuttgarter Kammerorchester verbindet eine langjährige und produktive Zusammenarbeit, die in zahlreichen herausragenden Aufnahmen für ECM New Series dokumentiert wurde.

Dennis Russell Davies, Wehmütiger Abschied © Peter Laenger / ECM Records Dennis Russell Davies

“Musique Funèbre”, die erste Einspielung von Dennis Russell Davies und dem Stuttgarter Kammerorchester für ECM News Series seit sieben Jahren, ist benannt nach dem Eröffnungsstück der CD, eine 1958 vollendete Komposition Witold Lutosławskis zum Gedenken an den 10. Todestag Béla Bartóks. Durch das Prisma dieser kraftvollen Hommage wirft Davies einen Blick auf das Schaffen von Bartók. Das Album beginnt mit dunkler und schwermütiger Trauermusik und endet mit dem hellen und optimistischen Klang von Kinderstimmen - der Kinderchor des Ungarischen Radios singt Stücke aus Bartóks Chorliedern für zwei und drei Stimmen aus den Jahren 1935 und 1936.

Trauermusik für Bartók

Die “Musique Funèbre”, in ihrer Anlage beeinflusst von Bartóks Musik für Streicher, Schlagzeug und Celesta, wird allgemein als Wendepunkt im künstlerischen Schaffen Lutosławski betrachtet, der seinen reifen Stil begründete. Und mit dem Werk, für das er den Ersten Preis des Unesco-Wettbewerbs von 1959 gewann, wurde der Komponist bis weit über die Grenzen seines Heimatlandes Polen hinaus bekannt. In seinem Programmtext zur Musik erklärte Lutosławski: “Als ich das Werk schrieb, versuchte ich nicht, Bartóks Musik nachzuahmen. Die Ähnlichkeiten, sofern es sie gibt, sind nicht bewusst entstanden. Sie sollten eher als Beleg für die Tatsache angesehen werden, dass das Studium der Musik Bartóks eine der fundamentalen Lektionen für die meisten Komponisten meiner Generation war.”

Der Einfluss Bartóks

Der Einfluss Bartóks auf Lutosławski kann tatsächlich kaum überschätzt werden, “weder in Bezug auf seine intellektuelle Haltung, weder in Bezug auf die Ernsthaftigkeit, mit der sich Lutosławski mit den musikalischen Tendenzen seiner Zeit auseinandersetzte, und weder in Bezug auf den Wert, den er Bartóks Quellenstudium im Bereich der Volksmusik beimaß”, so Wolfgang Sandner im Begleittext zur CD. Das reiche Erbe der ungarischen Volksmusik war für Bartók eine musikalische Fundgrube. Und mit ihren Modi, ihren asymmetrischen Rhythmen und den metrischen Schwerpunktverlagerungen war es zugleich wichtige Inspirationsquelle für seine eigene zukunftsweisende Musik. Die für “Musique Funèbre” (ECM New Series 2169) ausgewählten Stücke berühren beide Aspekte im Schaffen Bartóks.  

Abschied von Europa und seiner Tradition

Die Rumänischen Volkstänze sind Arrangements von Volksmelodien, die Bartók auf Reisen durch Transsylvanien gesammelt hatte, wohingegen es sich bei den zwei- und dreistimmigen Chorliedern um Stücke “im volksliedhaften Stil” handelt, die auf Bitten des Freundes Zoltán Kodály entstanden. Das Divertimento schrieb Bartók vor seiner Emigration in die USA. “Vermutlich ahnte er”, so Wolfgang Sandner, “dass er sich mit diesem Werk nicht nur von Europa und seinen Traditionen verabschiedete. Er muss gefühlt haben, dass Europa, so wie er es gekannt hatte, im Begriff war, im Dunkel der Geschichte zu verschwinden. Sonatenhauptsatz und Rondo als Ecksätze dieses Divertimento mit seinen vergänglichen Magyarismen tragen als kompositorische Mittel beinahe verzweifelte Züge …”