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15.03.2012

Zurück in die Zukunft - Das neue Album von John Holloway

Die italienischen Komponisten Dario Castello und Giovanni Battista Fontana gehörten zu den Wegbereitern des Generalbasszeitalters. Auf seiner neuen Aufnahme für ECM New Series widmet sich John Holloway ihren Werken.

John Holloway, Zurück in die Zukunft © Hartmut Schuetz John Holloway, Jane Gower und Lars Ulrik Mortensen

Für sein neues Album “Dario Castello, Giovanni Battista Fontana: Sonate concertate in stil moderno” sei auch der programmatische Titel “Back to the Future” infrage gekommen, schreibt Violinist John Holloway in seinem Kommentar zu der bei ECM New Series erschienen Aufnahme. Er verdeutliche zugleich die historische Besonderheit der von ihm ausgewählten Musikstücke und zeige überdies eine persönliche Bewandtnis auf. Denn Aufführungen der Sonaten Dario Castellos und Giovanni Battista Fontanas zählen zu Holloways frühesten Erfahrungen als Instrumentalist auf der Barockvioline, zu deren prominentesten Vertretern der künstlerische Leiter des Internationalen Wettbewerbs und Meisterkurses Violine in Dresden heute zählt.

Vertreter einer neuen Musikästhetik

Castello und Fontana waren Hauptakteure einer epochalen Umbruchbewegung, deren Ergebnis die Verdrängung polyphoner Vokalkunst durch eine Musikästhetik war, die auf neuartigen Ideen der Camerata Fiorentina beruhte. Diese Gruppe von Philosophen, Schriftstellern und Musikern berief sich auf die griechische Tragödie, von der man annahm, sie sei durch solistischen Gesang und einfache instrumentale Begleitung vorgetragen worden. Das daraus abgeleitete neue Ideal der Camerata, eine Vereinfachung der Musik zugunsten der Klarheit der textlichen Aussage und einer gesteigerten affektiven Wirkung, stand der mehrstimmigen Vokalmusik der Renaissance diametral gegenüber, zergliederte diese doch den Textfluss in ein komplexes Stimmengeflecht, das Wortsilben auf mehrere Stimmen verteilte, in unterschiedlichen Stimmlagen wiederholte und über viele Notenwerte ausdehnte.

Dämmerung des Generalbasszeitalters


Entgegen diesem als Exzess betrachteten “Stile antico” und gemäß dem Vorbild des antiken Dramas trat nun der Sänger in den Vordergrund der musikalischen Darbietung. Nach eigenem Ausdrucksvermögen gestaltete er die Melodie, während eine instrumentale Akkordbegleitung, die improvisatorisch vorgetragen wurde, das harmonische Fundament lieferte. Festgehalten wurden die Kompositionen mithilfe einer neuartigen Notation, die polyphone Mittelstimmen zugunsten der Melodie und einer fixierten Bassstimme aussparte. Dieser so genannte basso continuo gab einer neuen musikalischen Epoche, dem Barock, seinen Beinamen Generalbasszeitalter.

Der “stile moderno”

Die Experimente der Camerata entfalteten eine Katalysatorwirkung, die zur Entwicklung der Oper führte und als “stile moderno” auch die Instrumentalmusik erfasste, auf deren Gebiet sich bald eine Vielzahl neuer Gattungen und Formen wie Chaconne, Passacaglia und Sonate entwickelte. John Holloway (Violine), Jane Gower (Dulcian) und Lars Ulrik Mortensen (Cembalo) präsentieren eine Auswahl von Instrumentalwerken, die zu den frühen Beispielen einer radikalen Umwälzung zählen, deren Auswirkungen die Zukunft der Musik nachhaltig verändern sollten. So gilt das erste Buch der beiden auf dieser CD vertretenen Sonatensammlungen Dario Castellos als erster Notendruck, der gänzlich Instrumentalkompositionen gewidmet war, während Giovanni Battista Fontana als ein Vorreiter der Praxis anzusehen ist, bestimmte Instrumente für die Ausführung der Melodiestimme festzulegen, wie hier die Violine oder das Kornett. Über die gemeinsame Reise zurück in die Zukunft sagt John Holloway: “Die Freude, die uns dieses Aufnahmeprojekt bereitet hat, ist schwer in Worte zu fassen. Wir hoffen, dass es uns gelungen ist, sie hörbar zu machen.” Unser Urteil lautet eindeutig: ja.