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14.03.2012
Hilary Hahn

Fruchtbare Kollaboration

Hilary Hahn, Fruchtbare Kollaboration © Mareike Foecking Hilary Hahn und Hauschka

Spricht man mit Hilary Hahn, der überaus talentierten amerikanischen Violinistin, und Volker Bertelmann, dem deutschen Meister des präparierten Pianos, den seine Fans unter dem Namen Hauschka kennen, über ihr erstes gemeinsames Projekt, dann spürt man sehr schnell die große Begeisterung und den Enthusiasmus der beiden. "Ich habe mich immer wieder besonderen Herausforderungen gestellt", sagt Hilary Hahn, "und bin gern neuen verschlungenen Pfaden gefolgt. Genauso war es mit dieser Zusammenarbeit. Ich wäre ja verrückt gewesen, wenn ich die Gelegenheit nicht beim Schopf gepackt hätte." Hauschka drückt sich noch plastischer aus: "Wir haben eine sehr ähnliche Herangehensweise, wenn es um die Erforschung neuer Wege geht. Zu der Zeit von Christoph Columbus hätte ich Hilary vielleicht irgendwo mitten im Atlantik getroffen. Sie wäre wahrscheinlich gerade auf einer Forschungsreise nach Südamerika gewesen und ich hätte eine Expedition nach Grönland begleitet. Unsere Schiffe wären längsseits gegangen, wir hätten eine Tasse Tee zusammen getrunken und unsere Erfahrungen ausgetauscht." Er lacht leise vor sich hin: "Ich meine damit, dass wir ähnliche Interessen haben. Wir wollen Neuland betreten und kombinieren diesen Entdeckergeist mit echter Lebensfreude."

Text: Deutsche Grammophon | Foto: Mareike Foecking

Hilary Hahn gilt als eine der weltbesten Klassik-Violinistinnen und wurde mit einundzwanzig vom Time-Magazin zur besten jungen Klassik-Interpretin gewählt. Schon sehr früh heimste sie großes Lob für ihre Interpretationen besonders populärer Klassikstücke ein, und noch immer sind die Kompositionen von Bach für sie der wichtigste Prüfstein ihres Könnens. Dennoch hat sie sich nie gescheut, in weniger konventionelle Bereiche einzutauchen, seien es nun Werke von Schönberg oder Soundtracks wie der des Horror-Films The Village von M. Night Shyamalan. Auch an die Zusammenarbeit mit der texanischen Alternative Rock Band And You Will Know Us By The Trail Of Dead denkt sie gern zurück. Wenn man sie fragt, welche Musik sie mag, antwortet sie überschwänglich: "Meine Vorlieben fangen an bei Heifetz, gehen über Postal Service zu Etta James, weiter zu Hauschka bis hin zu den Ives-Interpretationen von Jeremy Denk und den Kompositionen von Lera Auerbachs, dann zu Josh Ritter und weiter über So Percussion zu David Langs Little Match Girl Passion bis zu Teddy Thompson, Woody Guthrie, Adele, Isan, Collette, Alexi Murdoch und Caleb Stine und dann wieder zurück zu den Orgelsymphonien von Camille Saint-Saëns."

Hauschka wiederum hat sich seit 2004 mit sieben Alben einen Namen gemacht, auf denen zu einem großen Teil Musikstücke mit präpariertem Klavier zu hören sind. Inspiriert wurde er von Komponisten wie Eric Satie und John Cage und von zeitgenössischen Musikern wie Max Richter und Yann Tiersen. Wenn es um Kollaborationen geht, haben Hahn und Hauschka durchaus eine ähnliche Philosophie. "Für eine Zusammenarbeit muss man auf allen Ebenen zusammenpassen", stellt Hilary Hahn grundsätzlich fest, "auch auf der des Gefühls. Die beteiligten Personen müssen ein gleichwertiges Interesse und eine echte Neugier mitbringen, um die Erfahrung von gemeinsamem Arbeiten machen zu können. Sonst geht es schief oder wird gezwungen. Aber wenn es sich ganz natürlich entwickelt, dann ist es einfach großartig." Hauschkas Gedanken dazu sind ähnlich: "Es ist ungeheuer wichtig, dass man aus seiner eigenen Ecke heraus findet. Wenn man mit jemandem zusammenarbeitet, öffnen sich eine Menge neuer Türen für die eigene Kreativität. Aber ich bin kein Freund von Kollaborationen um ihrer selbst willen oder aus kommerziellen Gründen. Wenn ich mit jemandem zusammenarbeite, dann weil wir gemeinsame Interessen verfolgen und weil wir von der Arbeit des anderen fasziniert sind." Zehn Tage lang arbeiteten sie mit ihrem Koproduzenten und Toningenieur Valgeir Sigurðsson zusammen in einer freien, inspirierenden und anregenden Atmosphäre: "Wir waren derart konzentriert, dass wir sogar in dieser Musik lebten, wenn wir gar nicht spielten", erzählt Hilary Hahn.

SILFRA bietet viele lebendige und bemerkenswerte Momente und ist trotz aller Vielschichtigkeit eine echte Einheit, ein Ganzes, das größer ist als die Summe seiner Teile. Hahn erklärt dazu: "Man kann genau nachvollziehen, wie sich alles entwickelt hat, wie die Musik zum Leben erweckt wurde. Und das trifft auf jede einzelne Sekunde des Albums zu. Diese Aufnahmen zu machen, war eine so wunderbare Erfahrung, dass ich jedes Mal, wenn ich sie höre, ein bisschen wehmütig werde." Damit wird sie nicht allein bleiben. Es mag vielleicht nicht beabsichtigt sein, aber SILFRA könnte sich als eins der originellsten und innovativsten Alben des Jahres erweisen. Kein Wunder, dass sie beide so glücklich darüber sind …