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14.03.2012
Albrecht Mayer

Romantisches Wagnis

Albrecht Mayer, Romantisches Wagnis Albrecht Mayer

Wenn das mal kein Wagnis ist: Albrecht Mayer nimmt Werke für Oboe aus der Romantik auf – und verzichtet ganz auf Bearbeitungen. Warum ein Wagnis? Die Oboe hat im Kammermusik- und Sonatenrepertoire der Romantik gleichsam nicht stattgefunden. Jedenfalls was die großen Namen betrifft. Kein Brahms, kein Mendelssohn hat etwas für die Oboe geschrieben. Einzig Robert Schumanns „Drei Romanzen“ für Oboe und Klavier stehen einsam in der Repertoirewüste.

Text: Clemens Haustein | Foto: Stephan Boehme

Die Schumannschen „Romanzen“ dürfen deshalb auf Mayers neuer CD nicht fehlen. Drumherum sind Werke von Komponisten platziert, deren Namen kaum jemandem etwas sagen dürften: August Klughardt etwa oder Heinrich von Herzogenberg. Ein Wagnis, das sich lohnt: Klughardts „Schilflieder“-Trio von 1872 – eines der wenigen Werke des ehemaligen Hofkapellmeisters in Dessau, die noch aufgeführt werden – sind schillernde Stücke: lisztisch virtuos im Klavier, tiefgründig in Viola und Oboe. Herzogenbergs Trio für Oboe, Horn und Klavier erinnert dagegen stärker an den Duktus Brahmsscher Musik.

Dass die Qualität dieser „Kleinmeister“ zum tragen kommt, liegt auch an der Ernsthaftigkeit, mit denen sich die Musiker den kaum aufgeführten Stücken widmen: zwischen Furor und romantischer Melancholie Tabea Zimmermann (Viola) wie Marie-Luise Neunecker (Horn). Und eben Albrecht Mayer, der sich dieser Romantik so klangvoll-inbrüstig wie geschmackvoll zuwendet. Mit Pianist Markus Becker gelingen ihm Schumann-Romanzen, die so abgeklärt sind, im Gestus so perfekt empfunden, dass man es sich schöner kaum wünschen kann.