Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allem zum Thema klassische Musik.

OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

14.03.2012
Jan Lisiecki

Wunderkind

Jan Lisiecki, Wunderkind © Mathias Bothor / DG Jan Lisiecki

Wer glaubt, die Zeiten der so genannten Wunderkinder wären längst passé, der irrt. Vielleicht lassen sie sich heutzutage etwas mehr Zeit als das Mozart-Wolferl, der ja schon im zartesten Alter von drei Jahren (!) am Pianoforte reüssierte und mit gerade einmal sechs Jahren seine ersten beiden Kompositionen, vom ebenso stolzen wie ehrgeizigen Vater „Wolfgangerls Compositiones“ genannt, zu Papier brachte.

Text: Andreas Kluge | Foto: Mathias Bothor

Nein, ein bisschen mehr Zeit lässt man den jungen Virtuosen von heute dann schon, aber vielleicht spukte dem jungen kanadischen Pianisten mit polnischen Wurzeln, Jan Lisiecki, ja doch der berühmteste Sohn der Stadt Salzburg im Kopf herum, als er sich in bemerkenswert jungen Jahren für die professionelle Künstlerlaufbahn eines Pianisten entschied?

Seine Klavierlehrerin entdeckte das Phänomen Lisiecki beim Vorspiel einer Etüde, und ein berühmter Kollege der geigenden Zunft, Pinchas Zukerman, kann nicht anders als zu Superlativen zu greifen, wenn er über den 1995 geborenen Jan ins Schwärmen gerät: “So einen Menschen gibt es vielleicht zwei mal in 100 Jahren, Jan spielt mit der Frische eines Jugendlichen und mit der Tiefe eines alten Meisters. Das Besondere ist, dass er bei all dem fest im Leben steht. Er ist ein Mensch, der sich von der Welt inspirieren lässt, und diese Inspiration ganz selbstverständlich in die Musik holt.“

Dieses „fest im Leben stehen“ aber kennt man von einer anderen Musikerin, die heute bereits Legende und zweifellos die größte lebende Pianistin ist – Martha Argerich. Viel versprechende Aussichten also für eines der größten Klaviertalente der Gegenwart. Mit zwei Mozart-Klavierkonzerten – honi soit qui mal y pense! – erweist der heute 16-Jährige seinem Wunderkind-Urahnen erste Reverenz. Und die kann sich hören lassen!

„Egal, welche Musik er spielt, der Klang ist für ihn immer eine Aussage, eine Form der Sprache.“, resümiert die Lehrerin. Und wer sich unter diesem Gesichtspunkt die beiden Konzerte unter der Leitung des Mozartspezialisten und (seinerseits selbst) Pianisten Christian Zacharias anhört, merkt sofort, dass dieser Mozart alles andere als gewöhnliche Fließband-, sondern vielmehr edelste Luxusware ist.

Einmal auf seine zahlreichen Auszeichnungen bei den verschiedensten Klavierwettbewerben angesprochen, sagte Lisiecki: „Ich mag die Musik zu sehr, um mich mit meinen Auszeichnungen zu schmücken. Es geht mir nicht darum, gefeiert zu werden, sondern darum, immer wieder Neues in der Musik zu finden – ihr jeden Tag mit Neugier zu begegnen.“ Wenn aber die Hörer Jan Lisiecki jeden Tag mit Neugier begegnen, werden sie in seiner Musik auch immer wieder etwas Neues finden.