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14.03.2012
Garth Knox

Musikalische Schnappschüsse

Garth Knox, Schnappschüsse © Dániel Vass Garth Knox

Auf seinem aktuellen Album erkundet Garth Knox Stile und Epochen von Hildegard von Bingen über Guillaume de Machaut bis zur Neuen Musik. Langzeit-Kollaborateurin Agnès Vesterman am Violoncello und Perkussionist Sylvain Lemêtre stehen ihm dabei zur Seite.

Text: Jörg Ehlert | Foto: Dániel Vass

Der Hüpfsprung des Saltarello-Tanzes liefert das passende Bild für das aktuelle Album von Garth Knox, auf dem der ehemalige Bratschist des Arditti String Quartets gemeinsam mit Agnès Vesterman (Cello) und Sylvain Lemêtre (Perkussion) so gewandt wie leichtfüßig fast eintausend Jahre Musikgeschichte durchquert. Und damit gibt es für das Erscheinen von “Saltarello” wohl kaum einen geeigneteren Ort als Manfred Eichers Label ECM New Series, welches sich der Pflege eines musikalischen Erbes verschrieben hat, das von gregorianischen Gesängen über die Polyphonie der Renaissance bis zu den Entwürfen der zeitgenössischen Avantgarde reicht. Für den vielseitigen Instrumentalisten Knox, einen der führenden Interpreten der Viola und ihres barocken Abkömmlings Viola D'Amore, ist “Saltarello” das zweite Album für das Label als Solokünstler. Und wie das 2006 aufgenommene “D'Amore” enthält es eine Auswahl von Werken, die höchst unterschiedlichen Entstehungszeiten und musikalischen Idiomen entstammen.

Keltische Bezüge

“Ziel unserer musikalischen Reise war es, weit voneinander entfernte Epochen und Orte aufzusuchen. Und zugleich wollten wir die Stücke in die Gegenwart holen, sie im Hier und Jetzt ergründen, ohne sie dabei der ihnen innewohnenden Eigentümlichkeiten zu berauben.” In der Hoffnung, die benachbarten Stücke auf der CD mögen sich gegenseitig in ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden beleuchten, haben sich Garth Knox und seine beiden Mitstreiter für eine ästhetische Ordnung anstelle einer Chronologie entschieden. Als erstes Instrument bekommt dabei die Viola D'Amore seinen Auftritt auf “Saltarello”. Zusammen mit Vestermann am Cello spielt Knox “Black Brittany”, eine musikalische Vermählung des traditionellen Folksongs “Black is the Colour of My True Love's Hair” und des erst vor wenigen Jahren von einem schottischen Fidler geschriebenen Stücks “Leaving Brittany” - Anklänge an die keltische Volksmusik durchziehen das gesamte Album.

Vom Barock in die Gegenwart

Im Anschluss präsentieren Knox und Versterman ihr Arrangement eines Konzerts von Vivaldi, das auf seine Kernelemente reduziert ist: Melodie und Basslinie, vorgetragen durch Viola D'Amore und das Cello. “In dieser intimen Kammer-Version treten uns die Spontaneität und Reinheit von Vivaldis Denken noch deutlicher vor Augen”, erklärt Knox. Und als Bindeglied zwischen Barock und Moderne folgt “Fuga libre”, eine Eigenkomposition, vom Bratschisten mit den folgenden Worten beschrieben: “Eine freie Fantasie, die zögerlich in einer Art barocken Jazzidioms anhebt und bald stetig an Fahrt gewinnt, bis sie von einem Wirbel in eine Kollision getrieben wird, die hohe und tiefe Noten in voneinander getrennte Sphären schleudert. Im langsamen Mittelteil des Stücks hören wir ihre Entwicklung in zwei Parallelwelten, bevor sich beide im Finale wiedervereinigen und gemeinsam atemlos davongaloppieren.”

Der Sprung als Leitbild

Hildegard von Bingens “Ave, generosa” ist das älteste Werk der Sammlung, hier in einem Arrangement für Fidel und Perkussion zu hören, das nahtlos in Guillaume de Machauts “Tels rit au main qui au soir pleure” übergeht - vermittels eines Sprunges, gemäß der zentralen Idee des Albums. “Sobald die Perkussion einsetzt, springen wir zwei Jahrhunderte vorwärts, von der religiösen Extase eines Acapella-Gesangs in die Zeit der höfischen Liebe und zu dem visionären, fast schon die Romantik vorwegnehmenden Klagelied Machauts”. Und erklärend fügt Knox hinzu: “‘Saltarello’ ist eine bewegliche Struktur musikalischer ‘Schnappschüsse’, die einer nahezu tausendjährigen Zeitspanne entnommen sind”.