Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allem zum Thema klassische Musik.

OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

14.03.2012
Rafal Blechacz

Unfassbar

Rafal Blechacz, Unfassbar © Felix Broede / DG Rafal Blechacz

Rafał Blechacz macht sich rar. Das hat er mit Vorbildern wie Arturo Benedetti Michelangeli gemeinsam, die seine Vorstellung von musikalischer Intensität geprägt haben. Denn der 26jährige Pianist aus dem polnischen Städtchen Nakel spart sich seine Energie für konzentrierte Momente der Kunst. Diese Vorsicht im Umgang mit den eigenen Ressourcen hat ihn zu einem essentiellen Musiker seiner Generation werden lassen. Es geht ihm nicht um den schnellen Glanz der Preise und Wettbewerbe, sondern um ein Verständnis der Kompositionen, das deren Kern auf nachvollziehbare, profunde Art offenbart.

Text: Ralf Dombrowski | Foto: Felix Broede

Mit dieser Haltung gelang es bereits seinem Debüt, der Interpretation der „24 Préludes“ (2007) von Frédéric Chopin, Publikum und Kritik zu verblüffen. Bei diesem Recital konnte man förmlich spüren, wie Rafał Blechacz die an sich oft gespielten Stücke zu seinen eigenen machte. Gestalterische Transparenz traf auf künstlerische Präsenz und das Album bekam zahlreiche Preise wie etwa den Echo Klassik im folgenden Jahr verliehen. Rafał Blechacz ließ sich jedoch vom Erfolg nicht beeindrucken, sondern arbeitete im Anschluss daran konsequent weiter an seinem Profil.

Einmal mehr beschäftigte er sich mit Chopin und interpretierte dessen Klavierkonzerte, was ihm unter anderem den renommierten Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik 2010 einbrachte. Formale Studien führten ihn zu einem Programm mit Sonaten der Wiener Klassik, die Ausweitung des Farbspektrums wiederum leitete ihn an die Schwelle des 20.Jahrhunderts. Wie schon bei Chopin geht es Rafał Blechacz nun bei Claude Debussy darum, gängige Deutungen hinter sich zu lassen. Die Wahl der Stücke - „Pour le Piano“, „Estampes“ und „L'Isle joyeuse“ - wie auch der Kontrast zu Karol Szymanowskis „Prélude und Fuge cis-moll“ und „Sonata op.8, c-moll“ lässt in diesem Zusammenhang den französischen Impressionisten weitaus energischer und experimenteller erscheinen als dessen polnischen, eine Generation jüngeren Zeitgenossen, dessen frühe Stücke noch in der Spätromantik wurzeln.

Wieder überrascht Rafał Blechacz nicht nur mit frappierend eleganter Spieltechnik, sondern auch durch seinen individuellen Zugang zu faszinierenden Werken am Wendepunkt der pianistischen Moderne. Das Album „Debussy – Szymanowski“ dokumentiert die Auseinandersetzungen mit künstlerisch wie klanglich herausragenden Aufnahmen, die im vergangenen Jahr in der Hamburger Friedrich-Ebert-Halle entstanden.