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12.03.2012
Gustavo Dudamel

Das gewisse Etwas

Er hat es, das gewisse Etwas, das „It“, aus denen Stars gemacht sind. Gustavo Dudamel. Schwarzer Lockenkopf, ein Gesicht so frech wie das des jungen John Travolta und die Gestik so emphatisch wie einst die von Leonard Bernstein.

Text: Teresa Pieschacón Raphael | Foto: Luis Cobelo

Dudamel packt sie alle: in seiner Heimat Venezuela, wo er gefeiert wird als Symbol für das „Musikwunder in Caracas“; in Europa, wo er auf den großen Bühnen gastiert und in den USA, wo er als „heißester Dirigent des Planeten" gehandelt wird und gerade einen Grammy in der Kategorie „Best Orchestral Performance“ einheimste für seine Aufnahme von Brahms’ 4. Symphonie (DG Digital Concerts).

„Wo er ist, sind Rausch und Ekstase“, brachte es Claus Spahn in Die Zeit auf den Punkt. Und Oswald Beaujean von BR-online schwärmt: „Sage keiner, Klassik sei nichts für die Jugend“. Auch mit den ganz Kleinen kann er. „Hi, I’am Gustavo“ grüßte Dudamel im amerikanischen Fernsehen die Zuschauer der Sesamstrasse und zeigte dem neugierigen Elmo, was „stupend" ist. „Stupend“ sei, sagte Dudamel verschmitzt, wenn sogar die Schafe bei ihm zur Geige greifen, ein Tintenfisch zum Schlagzeug und ein Pinguinchor Beethovens ‚Ode an die Freude’ trötet.

Wirklich „stupend“ aber ist das, was Gustavo Dudamel mit dem Simón Bolívar Symphony Orchestra macht, seiner „venezolanischen Rasselbande“, wie ein Kritiker dieses besondere Orchester nannte. Schließlich stammen die meisten Musiker aus den Slums und wären dort auch im Sumpf von Drogen und Gewalt verkommen – hätte sie nicht José Antonio Abreu seinerzeit als kleine Jungens von der Strasse geholt, ihnen ein Instrument gegeben, um gemeinsam zu musizieren, wie in der Dokumentation von Enrique Sánchez Lansch „Die Macht der Musik“ zu sehen. „Wenn wir eine Beethoven-Symphonie spielen, dann ist das kein hehres Stück Musik“, sagt Dudamel, „dann ist das ein Kampf um die Existenz, dann ist das eine Geschichte aus unserem Alltag."

Auch Dudamel (Jahrgang 1981) ist ein Kind des „Sistema“, wie Abreus Vision kurz genannt wird. Mit zehn Jahren fing er als Geiger an, sprang mit zwölf als Dirigent ein, mit achtzehn wählten sie ihn zu ihrem Chef. 2004 gewann er den Gustav-Mahler Dirigentenwettbewerb Bamberg. 2007 wurde er Chef der Göteborger Symphoniker, dirigierte das Geburtstagskonzert für Papst Benedikt XVI., debütierte 2008 mit den Berliner Philharmonikern und bei den Salzburger Festspielen und wurde zum Music Director des Los Angeles Philharmonic berufen.

Jetzt brandaktuell in den Regalen: Dudamels exklusiv für die Deutsche Grammophon produzierte CD Discoveries. Ein ‘Best of’-Album im buchstäblichen Sinne, zeigt es das breite Repertoire des erst 31- jährigen Dirigenten. Meilensteine abendländischer Musik stehen neben lateinamerikanischen Kompositionen von Revueltas oder Márquez. Musik, die Dudamel am Herzen liegt, könnte doch sein Motto lauten: „Von Venezuela aus in die ganze Welt und wieder zurück.“