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21.02.2012
Rafal Blechacz

Bei ihm stimmt einfach alles

Wer im vergangenen November das Glück hatte, eines der raren Konzerte von Rafal Blechacz in Deutschland zu besuchen, bekam bereits einen Vorgeschmack auf sein neues Album, mit dem sich der zurückhaltende und eher introvertierte polnische Pianist im Kreis der Deutsche Grammophon-Neuveröffentlichungen zurückmeldet. Auf dem Programm standen damals - neben Mozart und Bach - eben jene Stücke von Debussy und Szymanowski, mit denen Blechacz nun auch sein neues Albumprogramm gestaltet.

Text: Andreas Kluge | Foto: Felix Broede

Der junge polnische Pianist findet die schier unaufhörliche musikologische Debatte, ob das Œuvre von Claude Debussy nun dem Impressionismus zuzurechnen sei oder nicht, im Grunde unwesentlich. Für ihn ist Debussy entschieden ein Impressionist. Aber eben einer, der seine strukturellen Tugenden der Klassik entnommen und sie weiterentwickelt hat. Debussy also ist ein Komponist, der die Errungenschaften eines Mozart, Beethoven und Chopin anerkennt, sie aber in eine Sprache der Moderne in der Musik zu übertragen weiß. Er ist der König der Farben, sagt Rafał Blechacz.

Bleibt man diesem Bild treu, so wäre es wohl nicht vermessen, Karol Szymanowski als den König der existenzialistischen Poesie zu bezeichnen. Wie kein Zweiter (seinen Landsmann Frédéric Chopin einmal ausgenommen) vermochte es Szymanowski, mit seiner Musik direkt ins Herz zu zielen. Er wollte es so. Und kein Zweifel kann daran bestehen, dass man recht hat, wenn man ihn als einen Expressionisten charakterisiert. Szymanowskis Klangsprache ist erfüllt von Emotion, Intuition, Inspiration, von Esprit, Wollust und Sehnsucht. Und genau das war es, was Rafał Blechacz berührte, als er, beinahe noch ein Kind, erstmals Musik dieses Komponisten hörte. Jerzy Godziszewski, ein Professor von der Hochschule in Bydgoszcz, an der auch Rafał Blechacz studieren sollte, spielte damals einige Stücke Szymanowskis, darunter die Metopen und die Masken, Stücke voller Emphase und Klangsinn, die entfernt an den Mystizismus eines Skrjabin erinnern, aber doch einen ganz eigenwilligen Ton anschlagen. Auf der Stelle stand der junge Rafał in Flammen und brachte sich diese Musik näher (wenn auch mit einem Umweg über die Variationen op. 3).

Wer nun aber auch immer über den jungen Polen, den fünffachen (sic!) Chopin-Wettbewerb-Gewinner von 2005 spricht, sieht sich veranlasst, zu Superlativen zu greifen. Der San Francisco Chronicle schrieb, "... wir wurden Zeugen der Geburt eines Titanen... er wird sich einen Platz unter den Größten verdienen...". Musik&Theater sinnierte über das Phänomen Blechacz "Was genau ist es, das am Klavierspiel des jungen Polen derart fasziniert? Es ist die unverdorbene Authentizität dieses Künstlers." Und die französische DIAPASON postulierte: "... das, was seine Persönlichkeit ausmacht, ist eine Mischung aus Naivität, Klarheit und Klassizismus."

Blechacz, der seine Konzerte pro Jahr strikt limitiert, um auch seinen anderen Interessen wie etwa an Philosophie und Altsprachen intensiv nachgehen zu können, ist dennoch im April mit vier Konzerten allein in Deutschland zu hören und allesamt mit dem aktuellen Albumreper-toire! So wird er am 16.4. in Hannover, am 18.4. in Hamburg, am 20.4. in Heidelberg sowie am 27.4. in Stuttgart gastieren und ich darf Ihnen den Besuch eines Blechacz-Recitals wärmstens empfehlen – sie stellen im heutigen Konzertbetrieb eine absolute Ausnahme dar und erinnern an die „guten alten Tage“ der großen Tastenzauberer längst vergangener Zeiten. Manch einer mag in dem jungen Polen einen Anachronismus heutiger Konzertkultur sehen, für mich persönlich ist jedes seiner Konzerte, von seinen Aufnahmen ganz zu schweigen, schlichtweg eine Offenbarung.