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02.02.2012

Musikalische Katalysatoreffekte - Dénes Várjons neues Album “Precipitando”

Auf seinem ersten Solo-Album für ECM New Series präsentiert der Pianist Dénes Várjon Franz Liszts Klaviersonate in h-Moll, ein Werk, dessen enormer Wille zur formalen und motivischen Verdichtung die Klavierentwürfe Bergs und Janáčeks beeinflusst hat.

Dénes Várjon, Musikalische Katalysatoreffekte © Dániel Vass/ ECM Records Dénes Várjon

Das Klavierwerk Franz Liszts bildet einen Fixstern im Repertoire des ungarischen Pianisten Dénes Várjon. “Es ist stets hochinteressant für mich, Verbindungen zwischen Komponisten nachzuspüren und Brücken zwischen den Epochen der Musikgeschichte zu schlagen. In der Spiegelung verschiedener Komponisten und Zeitabschnitte entdecke ich immer wieder neue Dimensionen von Stücken, die ich spiele. Und in besonderem Maß gilt das für mich in der Auseinandersetzung mit Werken von Franz Liszt.”

Die visionäre h-Moll-Sonate

So lag es für den 1968 in Budapest geborenen Pianisten, der im vergangenen Jahr die künstlerische Leitung des in seiner Heimatstadt ausgerichteten Internationalen Festivals der Kammermusik “Liszt und Europa” inne hatte, nahe, Franz Liszts h-Moll-Sonate ins Zentrum seiner ersten Solo-Einspielung für ECM New Series zu stellen. Mit seiner einsätzigen Konzeption, einem Meisterwerk kompositorischer Ökonomie, das erstmals die Teile des Sonatenzyklus (Allegro - Adagio - Scherzo - Allegro) mit den Teilen der Sonatensatzform (Exposition - Durchführung - Reprise) zu einer übergreifenden Struktur, einem einzigen Satz verdichtete, und eine Vielfalt musikalischer Charaktere aus kleinen, motivischen Keimzellen entwickelt, stößt Liszt weit über seine Zeit hinausreichende Entwicklungen an.

Das Echo Liszts

Dénes Várjon setzt die Liszt-Sonate auf “Precipitando” in Bezug zu Alban Bergs 1908 fertiggestellter Klaviersonate op. 1, die - ebenfalls einsätzig, in h-Moll geschrieben und von hoher Effizienz im Umgang mit dem motivischen Material geprägt - eindeutig auf Liszt verweist. Im Kontext von Leoš Janáčeks vierteiligem Klavierzyklus “Im Nebel” eröffnen sich, so Várjon, wiederum neue Perspektiven auf Liszt: “Natürlich höre ich das Echo von Liszts Musik in Berg und Janáček. Jedoch verdeutlichen mir diese beiden Komponisten auch das Bahnbrechende im Werk von Franz Liszt. Die harmonische Welt Alban Bergs öffnet die Ohren für die innovativen Lösungen Liszts, und die einsätzige Form der Berg-Sonate eröffnet neue Perspektiven darauf, wie modern es zu Liszts Zeiten gewesen ist, ein Stück wie die h-Moll-Sonate zu komponieren.”

Berührungspunkte mit Janáček

Die Bezüge zwischen der Berg-Sonate und den 1912 geschriebenen Miniaturen Janáčeks sieht Paul Griffiths, Autor des Begleittextes zum Album, im Einfluss Claude Debussys, in der gemeinsamen Tendenz zur Ausweitung der Harmonik bis an die Grenze zur Atonalität und in der bezwingenden motivischen Konsistenz beider Werke. Im Gespräch ergänzt Várjon: “Die Expressivität der Parlandi bei Janáček ähnelt denen Béla Bartóks. Zwar spreche ich Janáčeks Muttersprache nicht. Aufgrund meiner Prägung durch die ungarische Volksmusik habe ich jedoch immer eine besondere musikalische Verbindung zu ihm gespürt. Für mich gehört er zu den originellsten Komponisten.”