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25.01.2012
Carl Maria von Weber

Der Freischütz: Ein psychologischer Thriller an der Komischen Oper

Am kommenden Sonntag feiert Carl Maria von Webers 1821 im ehemaligen Königlichen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt uraufgeführte Erfolgsoper ihre Premiere an der Komischen Oper.

Carl Maria von Weber, Der Freischütz an der Komischen Oper © Wolfgang Silveri Vincent Wolfsteiner als Max in "Der Freischütz"

In den Hauptrollen singen Vincent Wolfsteiner (Max), Carsten Sabrowski (Kaspar), Ina Kringelborn (Agathe) und Julia Giebel. Patrick Lange dirigiert das Orchester der Komischen Oper und die Regie liegt bei keinem Geringeren als dem katalanischen Enfant terrible Calixto Bieito, der an diesem Haus bereits Mozarts Entführung und Puccinis Madam Butterfly höchst provokant inszeniert hatte. Und welcher nach seiner sensiblen Inszenierung von Poulencs Frauenoper Die Karmelitinnen im letzten Sommer nun in die dunkle, archaische Männerwelt aus Jägern und Kriegern eintaucht.

Für Regisseur Calixto Bieito und sein Team ist Webers Oper weder märchenhaft noch folkloristisch, sondern ein düsterer, psychologischer Thriller. Der zentrale Motor der gesamten Oper ist hierbei der Raum: der Wald. Im unheimlichen Wald, fernab der Zivilisation, offenbart sich die Natur in ihrer ganzen ungebändigten Kraft. Er entlockt den Menschen ihre finstere Seite, ihre Abgründe, über die sie selbst erschrecken.

Hier, wo das Irrationale herrscht, brechen vehement unterdrückte Gefühle und dunkle Phantasien der Figuren hervor, die innerhalb des strengen Regelwerks einer dörflichen Gemeinschaft nicht gelebt werden dürfen. Hier lernen sich die Menschen selbst kennen, hier entdecken sie ihre brutalen Visionen, ihre Sexualität, ihre animalische Seite. Wenn Max in die berüchtigte Wolfsschlucht hinabsteigt, so ist das auch ein Gang in sein eigenes, wildes Selbst.

Webers ungeheuerliche Musik für diese Grenzüberschreitung, für das gefährliche Spiel mit allem Verbotenen, für die Konfrontation mit dem Unbewussten hat bis heute nichts von ihrer suggestiven Kraft und ihrer unmittelbaren Wucht verloren. Es ist, als hätte der romantische Komponist den Gedanken Sigmund Freuds schon klanglich Gestalt gegeben. Überdies lässt Weber in Max‘ existentiellen Fragen und Agathes unerlösten Ahnungen bereits die Unbehaustheit des modernen Menschen anklingen. In der provinziellen Welt der kleinen Gemeinde herrscht eine archaische, strikt hierarchische Männergesellschaft, wobei ihr Lebensinhalt, die Jagd, für Calixto Bieito das Sinnbild der Gewalt ist. Der Freischütz – eine Reise in die Finsternis.

Termine

Premiere … 29. Januar 2012, 19:00 Uhr in der Komischen Oper Berlin

Weitere Aufführungen … 4./7./21./24. Februar, jeweils 19:30 Uhr,

4. März, 19:00 Uhr, 9./29. März, jeweils 19:30 Uhr,

4. April 2012, 19:30 Uhr

Karten

Kartentelefon Komische Oper Berlin … +49. (0)30.47 99 74 00