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12.01.2012

Der Kosmopolit aus dem alten Wien - "Homage to Fritz Kreisler" auf Deutsche Grammophon

Fritz Kreisler, Der Kosmopolit aus dem alten Wien Hommage to Fritz Kreisler

Vor 50 Jahren starb der Geigenvirtuose, Komponist und Arrangeur Fritz Kreisler. Seine beispiellose Karriere als Solist beweist, dass es auch einem ehemaligen Wunderkind gelingen kann, seinen Weltruhm bis ins hohe Alter zu mehren. Zahlreiche Charakterstücke des Komponisten Fritz Kreisler wie "Liebesfreud", "Liebesleid" und "Caprice viennois" sind zu Klassikern des Geigenrepertoires geworden und die Warmherzigkeit und noble Bescheidenheit des Künstlers sind legendär.

David Garrett hat sich auf seinem jüngsten Album "Legacy" bereits Ende 2011 vor dem "Jahrhundertgeiger" verneigt. Deutsche Grammophon veröffentlicht anlässlich Fritz Kreislers 50. Todestages am 29. Januar 2012 die CD-Edition "Homage to Fritz Kreisler". Neben Originalaufnahmen von Kreisler enthält sie Interpretationen seiner Arrangements und Kompositionen durch historische Größen wie Jascha Heifetz und David Ostrakh sowie zeitgenössische Stars wie Anne-Sophie Mutter und Gidon Kremer, die zeigen, dass Kreislers Werk bis heute nichts an Faszination eingebüßt hat; von seiner bewegten Lebensgeschichte ganz zu schweigen.

Schon im frühen Kindesalter zeigt der 1875 in Wien geborene Fritz Kreisler eine außergewöhnliche musikalische Begabung. Sein Vater, ein jüdischer Arzt und passionierter Amateur-Geiger, und der Konzertmeister eines Theaterorchesters vermitteln ihm musikalische Grundlagen. Gerade siebenjährig wird Kreisler am Wiener Konservatorium zum Studium zugelassen, das er ab 1885 am Conservatoire de Paris fortsetzt und mit zwölf Jahren beendet. Zu seinen Lehrern zählen Größen des europäischen Musiklebens wie der französische Geigenpädagoge Joseph Massart, selbst einst Schüler des Beethoven-Freundes Rodolphe Kreutzer, und die Kompositionslehrer Anton Bruckner und Léo Delibes.

Trotz des Erfolgs der ersten Konzertreise in die USA scheint seine Laufbahn bereits vorzeitig zu enden, Fritz Kreisler holt das Abitur nach und beginnt ein Medizinstudium, das er wegen eines zweijährigen Wehrdienstes jedoch unterbrechen und nicht wieder aufnehmen wird. Schließlich gewinnt seine Liebe zur Musik die Oberhand und dem sensationellen Berliner Debüt 1899 folgen zahlreiche Tourneen nach Großbritannien und in die USA. Kreisler beginnt nun auch mit der Produktion von Arrangements und der Komposition eigener Werke.

Nach Ausbruch des ersten Weltkriegs wird Kreisler beim Fronteinsatz verletzt und aus dem Militärdienst entlassen. Schon Ende 1914 kann er wieder Konzerte in den Vereinigten Staaten geben, wo sich jedoch nach deren Kriegseintritt Anfeindungen gegenüber dem Österreicher häufen. Kreisler konzertiert daher nur selten und widmet sich vorerst verstärkt dem Komponieren. Nach seiner Rückkehr nach Wien 1920 gibt er, geschockt vom herrschenden Elend, Konzerte für wohltätige Zwecke und spendet Gagen zugunsten Notleidender. In den Folgejahren bereist Kreisler auf Konzerttourneen, die seinen Weltruhm zementieren, Europa, Asien, Südamerika und Australien.

1932 erregt Kreisler mit einem Fälschungs-Skandal weltweites Aufsehen: Er muss zugeben, einige von ihm vorgeblich während seiner Reisen in Archiven und Bibliotheken entdeckte und in seinen Konzerten gespielte barocke und klassische Stücke in Wahrheit selbst geschrieben zu haben. Verschmitzt erklärt er später, er habe zu Beginn seiner Karriere als Solist zu wenige geeignete Kompositionen für die Violine vorgefunden und kurzerhand selbst Abhilfe geschaffen. Infolge der Machtergreifung Hitlers übersiedelt Kreisler schließlich nach New York, wo er 1941 ein weiteres Mal die Weltöffentlichkeit in Erregung versetzt, nachdem er von einem Lastwagen angefahren wird und für mehrere Wochen ins Koma fällt. Nach seiner Genesung spielt er weiter bis zu seinem letzten öffentlichen Konzert im Jahr 1950. Kurz vor seinem 87. Geburtstag stirbt Fritz Kreisler am 29. Januar 1962 in seiner Wahlheimat New York an Herzversagen.