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12.08.2011

Stimmen der Renaissance - der unbekannte Kosmos des Tomás Luis de Victoria

Diese Musik wird für viele eine Entdeckung sein. Denn das Ensemble Plus Ultra erschließt mit der opulenten Edition „Sacred Works“ die vokale Welt des Spaniers Tomás Luis de Victoria.

Stimmen der Renaissance - der unbekannte Kosmos des Tomás Luis de Victoria © Universal Music Group Ensemble Plus Ultra © Universal Music Group

Es gehört zu den Besonderheiten der Alten Musik, dass man es zuweilen mit Komponisten zu tun hat, die man sich in vieler Hinsicht nur über deren Werke und den historischen Kontext ihrer Entstehung erschließen kann. Tomás Luis de Victoria (1548-1611) beispielsweise ist neben Cristóbal de Morales (1500-1553) und Francisco Guerrero (1528-1599) einer der zentralen Schöpfer der Vokalpolyphonie der Renaissance, aber gerade über die frühen Phasen seines Lebens hinweg kaum verlässlich dokumentiert. Man weiß, dass er aus Ávila stammt, aber ob er nun als Chorknabe in der Kathedrale der Stadt zur Musik fand oder am dortigen Jesuitenkolleg bleibt Spekulation. Im Jahr 1567 jedenfalls verlässt er die Stadt, um sich in Rom auf die Priesterlaufbahn vorzubereiten. Es folgen spärlich belegte Aufenthalte in Kastilien und Aragonien und um 1586 taucht Victoria wieder in Madrid auf. Inzwischen sind einige seiner Werke bereits gedruckt und er zählt zu den bedeutenden Komponisten seiner Zeit. Kurz darauf wird er zum Kaplan der Kaiserinwitwe Maria von Spanien ernannt, was ihn mit Ausnahme seiner Pflichten in der kleinen höfischen Klostergemeinschaft viele Freiheiten zum Komponieren lässt. Victoria schreibt ausschließlich geistliche Werke in Anlehnung an den Zeitgeist, legt aber mit späten Stücken bereits ein deutliches Stück auf dem Weg zum Barock zurück.

Das britische Ensemble Plus Ultra unter der Leitung von Michael Noone hat sich in den letzten Jahren der Aufgabe gestellt, eine repräsentative Werkschau des noch immer wenig bekannten spanischen Komponisten zu gestalten. Mehr als 40 Musiker waren an dem aufwändigen Aufnahmeprojekt beteiligt, bei dem auf 10 CDs insgesamt mehr als 90 Werke Victorias festgehalten wurden. Diese Aufnahmen waren in den letzten Jahren sukzessive in Einzelveröffentlichungen in Spanien erschienen, nun erscheinen alle Aufnahmen Anlässlich des 400.Todestags von Tomás Luis de Victoria erstmalig auch bei uns - gesammelt in einer Edition.

Schwerpunkte der Aufnahmen sind Kompositionen aus den 25 Jahren Victorias in Madrid, außerdem Fassungen von Werken, die nur in Manuskriptform überliefert sind, Versionen von Werken, von denen es bisher keine Einspielungen gab und schließlich Werke mit Beteiligung von Orgeln und Holzbläsern. Dabei wurden auch drei Messen, sechs Magnificat-Vertonungen und ein Salve aufgenommen, die nur handschriftlich in den Archiven der Kathedrale von Toledo vorliegen und aus diesem Anlass eigens von Esther Arranz López neu ediert wurden.

Dass aus dem Projekt schließlich diese hier nun vorliegende umfangreiche und herausragend interpretierte Aufnahme werden konnte, ist auch ein Verdienst von Michael Noone. Selbst als Sänger durch die Mitwirkung bei einer Aufführung in Sydney auf den Geschmack gebracht, kümmert er sich seit längerem um die musikwissenschaftliche Forschungsarbeit in spanischen Klöstern und Kathedralen. Er hat Werke von Morales und Francisco Guerrero wiederentdeckt, ebenso wie die von Victoria und sein eigens für die Umsetzung dieser vokalen Schätze gegründetes Ensemble Plus Ultra zählt inzwischen zu den namhaftesten der historischen Aufführungspraxis. Noones Geschenk an die Musikwelt zum 400.Todestag von Tomás Luis de Victoria ist diese hervorragende Edition, die in Zusammenarbeit mit der Archiv Produktion von Deutsche Grammophon einen musikalischen Großmeister der Renaissance in neuem Licht erstrahlen lässt.