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05.08.2011

Aida und Turandot - Opulentes von der New Yorker Met

Die New Yorker Metropolitan Opera ist bekannt für aufwändige, pompöse Inszenierungen. Zwei dieser famosen Bühnenspektakel - Verdis „Aida“ und Puccinis „Turandot“ - sind nun auf DVD in bester Ton- und Bildqualität erhältlich

Aida und Turandot - Opulentes von der New Yorker Met © Decca / UMG Giuseppe Verdis Aida an der New Yorker Met © Decca / UMG

Aida hat es nicht leicht. Als Tochter des Äthiopierkönigs unerkannt als Sklavin an den ägyptischen Herrscherhof verschleppt, liebt sie ausgerechnet Radames, der als Hauptmann des ägyptischen Heeres gegen ihren Vater in den Krieg zieht. Und ihn auch noch gewinnt. Radames wiederum liebt ebenfalls die schöne Aida, wird aber auch von Amneris, der Tochter des Pharaos begehrt. Die damit verbundene Konstellation hat alle Anlagen zur Dramatik und prunkvollem Pathos. Tatsächlich endet das Ägypten-Spektakel in dem für Verdi durchaus üblichen blutrünstigen Finale, wobei allerdings mal nicht die Frau, sondern der inzwischen aus Liebe dem Vaterland untreu gewordene Radames sterben muss, nicht ohne von Amneris ausführlich beklagt worden zu sein. Das 1871 uraufgeführte Bühnenspektakel entsprach damit klar den Vorstellungen des nach Exotik und Dramatik dürstenden bürgerlichen Opernpublikums des späten 19. Jahrhunderts und es ist bis heute eine der in den Inszenierungen und der Ausstattung prachtvollsten Werke Giuseppe Verdis.

Das mag kleinere Bühnen abschrecken, nicht aber die Metropolitan Opera in New York, die auf einen immensen Fundus von Kostümen und Bühnentechnik zurückgreifen kann. So kam es in der Spielzeit 2009 zu einer Reihe von Aufführungen unter der Regie von Sonja Frisell, die mit einem großen Team und viel Aufwand das gewaltige Spektakel auf die Bühne brachte. Im Oktober des Jahres waren dann auch die High- Definition Kameras dabei, um „Aida“ in bestmöglicher Qualität festzuhalten. Zu erleben sind neben Violetta Urmana in der Titelrolle auch Dolora Zajick als Amneris, Johan Botha als Radames und Roberto Scandiuzzi als Ramfis, am Pult des Orchesters stand Daniele Gatti, der die Aufführung mit dem nötigen Schwung dirigierte und gleichzeitig alle Beteiligten im Zaum hielt. Keine geringe Leistung bei dem regen Verkehr auf der Bühne. Damit entstand ein Paradestück für Freunde des großen Opernkinos, ähnlich übrigens wie die ebenfalls auf DVD erhältliche HD-Fassung von Giacomo Puccinis „Turandot“.

Auch in diesem Fall handelt es sich um einen märchenhaften Stoff, der allerdings mehr als ein halbes Jahrhundert später für die Oper adaptiert wurde – durchaus von Zweifeln des Komponisten begleitet, ob der Stoff denn noch für seine Zeitgenossen angesichts neuer ästhetischer und technischer Möglichkeiten - wie im Theater bei Max Reinhardt und im Kino bei Fritz Lang – noch angemessen wäre. „Turandot“ wurde zu einer letzten Kraftanstrengung, deren Uraufführung 1926 in Mailand Puccini nicht mehr erlebte, und die bei den Schlussszenen von seinem Vertrauten Franco Alfano vervollständigt werden musste. Die Oper ist zugleich Vermächtnis und Anachronismus, exotistische Bühnenphantasie und psychologisierende Charakterstudie am Beispiel eines traditionellen Stoffes. Für eine Inszenierung bieten sich daher viele Möglichkeiten der Umsetzung an, von der Abstraktion des Kampfes zwischen Ehre und Liebe bis hin zum bunt schillernden Historienspiel.

Der Regisseur Franco Zeffirelli wählte für seine Neufassung der Oper an der Met eine Verknüpfung von pittoresker Architektur mit opulentem Kostümaufwand. Die bereits in den Achtziger Jahren entwickelte Inszenierung entführt den Zuschauer daher in eine assoziative Welt chinesischer Kulturimaginationen, die sowohl mit historischen Klischees von der Comedia dell’arte bis zur Pekingoper arbeitet, als auch über die Massenszene modernistische Bildelemente integriert. Auf diese Weise entsteht eine optische Ausdruckswucht, die die Musik idealtypisch ergänzt. Neu aufgenommen in HD im November 2009 sind in der Fassung für DVD Maria Guleghina als Turandot, Marina Poplavskaya als Sklavin Liu, Marcello Giordani als Prinz Calaf und Samuel Ramey als König Timur zu erleben. Diesmal stand der junge lettische Dirigent Andris Nelsons am Pult des Metropolitan Opera Orchestras, auch er ein Souverän der klangmächtigen Dramatik. So bietet der DVD-Sommer mit „Aida“ und „Turandot“ gleich zwei audiovisuelle Sternstunden für Freunde klassischer Opern-Inszenierung und damit die Möglichkeit, ein bisschen New Yorker Bühnenpracht ins eigene Wohnzimmer zu holen.