Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allem zum Thema klassische Musik.

OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

22.07.2011

Nah dran - der „Tannhäuser“ aus Kopenhagen

Der „Tannhäuser“ gehörte zu Richard Wagners Langzeitprojekten und wurde immer wieder überarbeitet. Er bietet viel Freiheit für Interpretation, die die Royal Danish Opera mit Stig Andersen in der Titelrolle vorbildlich nutzt.

Stig Anderson, Nah dran - der Tannhäuser aus Kopenhagen © Universal Music Group Richard Wagners "Tannhäuser" von Stig Anderson © Universal Music Group

Prall gefüllt mit Programmatik schickte Richard Wagner seinen „Tannhäuser“ in die Opernwelt. Das ist Romantik pur, wenn der Minnesänger am Anfang des Werkes die erotischen Früchte seiner Huldigungen im Übermaß auf dem Venusberg der femme fatale schlechthin genießen darf. Das ist natürlich auch bürgerliche Prüderie, wenn er und seine eigentliche, durch die Tücken der Lust unerreichbare Liebe Elisabeth am Ende jeder auf seine Weise als Strafe für ihre Wünsche und Lebensweisen sterben müssen. In jedem Fall ist es ein Stoff, der schnell zum Skandal auf der einen Seite und zum Moraldrama auf der anderen sich entwickeln kann. Einige Jahre nachdem die erste Fassung der Oper geschrieben und in Dresden uraufgeführt worden war, meinte Wagner. „Es war eine verzehrend üppige Erregtheit, die mir Blut und Nerven in fiebernder Wallung erhielt, als ich die Musik des ‚Tannhäusers’ entwarf und ausführte“. Und dieses besondere Verhältnis zu seinem Werk hielt bis zuletzt an. Noch wenige Wochen vor seinem Tod im Januar 1883 meinte er Cosima gegenüber, er sei der Welt noch einen „Tannhäuser“ schuldig, den er „als Drama vollendet ansieht und auch wieder nicht, weil in der Musik ihm einiges zu wenig ausgeführt dünkt.“

Genau genommen arbeitete Wagner über vier Jahrzehnte hinweg stetig an der Perfektionierung seiner Oper, realisierte zum Beispiel für die Pariser Aufführung, die am 13. März 1861 auf Geheiß von Napoleon III stattfand, in indirekter Anknüpfung an die Emphase des 1859 entstandenen „Tristan“ die erste Szene auf dem Venusberg als groß angelegte und für damalige Verhältnisse anzügliche Pantomime. Das war selbst für die Pariser Opernschnösel im Publikum ein wenig heftig, führte zu Pamphleten und Ablehnung in der bürgerlichen Presse, aber auch zu begeisterten Elogen aus der Feder von Charles Baudelaire und den Jüngern des französischen Wagnérisme. Insgesamt gab es schließlich vier ausgedehnte Stadien der Bearbeitung: Das Original (entstanden zwischen 1842 und 1845, uraufgeführt in Dresden am 19. Oktober 1845), eine von Meser herausgegebene Version (1860, mit Änderungen, die zwischen 1847 und 1852 entstanden), die Pariser Fassung (1861) und die autorisierte Wiener Variante (1875, vollständig veröffentlicht posthum 1888).

Als die Royal Danish Opera nun den „Tannhäuser“ 2009 in der vorliegenden Inszenierung auf die Bühne brachte, nützte das Team die im Werk angelegte Freiheit der Darstellung und präsentierte die Oper in einem vielfältig wandelbaren Bühnenbild, das über seine geschickte Gliederung auch räumlich die verschiedenen Ebenen des Geschehens anzudeuten vermochte. Stig Andersen gab einen „Tannhäuser“ in bürgerlich-romantischem, dezent phantastischem Ambiente, seine Gegenüber führten durch verhaltene Signale etwa in der Maske oder in der Choreografie das Spiel raffiniert weiter bis zum bitteren Ende der Handlung. Kamera und Mikrofone folgten dem Plot aus nächster Nähe und vermitteln auf diese Weise eine Unmittelbarkeit, die den Zuschauer nahe an das Leiden und die Konflikte von Tannhäuser und Elisabeth heranführt. In bewährt brillantem Stereo- oder Surround-Sound mit eindrucksvollen Bildern erlebt man mit der DVD-Version daher einen von der Presse hoch gelobten Wagner-Klassiker in all seiner mitreißenden Pracht. Die „Tannhäuser“ Inszenierung auf DVD folgt auf den gefeierten „Der Ring des Nibelungen“, des „Kopenhagen Ring“ der Royal Danish Opera, der im Jahre 208 auf DVD veröffentlicht wurde.