Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allem zum Thema klassische Musik.

OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

28.06.2011

Schrammeln mit Pfiff - Die neue CD von Angelika Kirschlager und Philharmonia Schrammeln

Gut schrammeln ist eine Kunst. Die Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager ist Spezialistin für den Wiener Klang und hat für das Album „Seligkeit“ Musik von Schubert bis Mahler einer pfiffigen Bearbeitung unterzogen

Angelika Kirchschlager, Schrammeln mit Pfiff - Die neue CD von Angelika Kirschlager und Philharmonia Schrammeln © Lukas Beck Angelika Kirchschlager & Philharmonia Schrammeln © Lukas Beck

Im Jahr 1878 gründeten die beiden Waldviertler Geiger Johann und Josef Schrammel ihr erstes Ensemble, zunächst um in Kneipen und Lokalen Wiens zur Unterhaltung zu spielen. Bald stieß der Gitarrist Anton Strohmayer hinzu und 1884 schließlich war mit dem Klarinettisten Georg Dänzer die klassische Besetzung der Schrammelmusik gefunden, zu der später dann sich zuweilen auch Knopfakkordeonisten gesellten. Die Popularität der Brüder und ihrer Freunde nahm rasant zu, zumal Josef und Johann Schrammel ungemein produktiv in wenigen Jahren rund 200 Lieder schrieben und zur Aufführung brachten. Um die Jahrhundertwende war der Klang dieser Weisen längst zu einem akustischen Wahrzeichen von Wien geworden und Komponisten von Johann Strauß über Johannes Brahms bis Arnold Schönberg zählten zu den erklärten Fans der markanten Stadtfolklore.

Dabei bediente sich Eberhard Götz, der die meisten Bearbeitungen der Schrammel-Renaissance seit den fünfziger Jahren lieferte, einer bewährten und zumeist sehr ähnlichen Arbeitsweise: Die beiden Geigen spielten, oft in Terzen, die Melodie, die Harmonika verdoppelte diese in tieferer Lage, und die Gitarre war für das rhythmische wie harmonische Gerüst zuständig. Was in der Volksmusik als weithin vertrauter Klangstil wunderbar funktionierte, hatte durchaus Einfluss auf das Schaffen der ernsten Kollegen. Im Gegenzug aber lässt sich durchaus nicht jede klassische Liedkomposition im Stil der Schrammeln interpretieren. Als um 1999 die ersten Bearbeitungen für die Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager mit der fünfköpfigen Philharmonia Schrammeln entstanden, besann man sich daher auch der Lieder von Johannes Brahms, deren mollsüße Melancholie sich charmant mit dem Altwiener Knopfakkordeon umsetzen ließ.

Dann allerdings wurde die Arrangementarbeit zunehmend komplexer. Als nächstes standen Lieder von Gustav Mahler auf dem Programm, auch hier ein Zeitgenosse der Gebrüder Schrammel, der deren Sound wenigstens als Prägung in seiner eigenen Musik angelegt hatte. Franz Schubert allerdings, der dritte im Bunde der Bearbeitungen, hat weit vor den Originalen gelebt und so war es in seinem Fall weniger eine Frage, wie er etwas umgesetzt hätte, sondern welches seiner vielen Lieder sich in Struktur und Charakter überhaupt für die Adaption eigneten. So kamen Lieder wie das „Ständchen“, „Lachen und Weinen“, „Der Wanderer an den Mond“ und auch das Titelstück des Albums „Seligkeit“ ins Repertoire, die die Brahm'schen Volksweisen wie „Da unten im Tale“, „Schwesterlein“ oder auch Mahlers „Ich ging durch einen grünen Wald“ passend ergänzten.

Angelika Kirchschlager, nach zwei Jahrzehnten Karriere längst ein Star nicht nur der Wiener Staatsoper, erweist sich dabei als famose Interpretin der so leicht klingenden und zugleich komplex im Zusammenspiel von Emotion, Humor und Dramatik zu singenden Musik, die sie mit der Philharmonia Schrammeln, die seit Jahrzehnten zu den Pionieren des Genres gehört, voller Witz und Virtuosität präsentiert. Das ist Tradition mit Herz und dem typisch Wienerischen Augenzwinkern, das die Welt selbst bei Schubert, Bahms und Mahler ein wenig lockerer als andernorts erscheinen lässt.