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17.06.2011
ECM Sounds

Der feine Ton - Die beiden neuen Alben von Heinz Holliger

Heinz Holliger will sich nicht festlegen. Viel zu spannend ist die Welt der Musik, um sich nur auf ein Feld zu beschränken. Deshalb präsentiert sich der Oboist nun mit zwei sehr unterschiedlichen Aufnahmen

ECM Sounds, Der feine Ton - Die beiden neuen Alben von Heinz Holliger © Dániel Vass / ECM Heinz Holliger © Dániel Vass / ECM

Es zählt zu den Besonderheiten der Meisterschaft von Johann Sebastian Bach, dass er genau wusste, welche Möglichkeiten in einem Instrument stecken und wie sich diese Klangperspektiven wirkungsvoll umsetzen lassen. Die Oboe war für ihn der menschlichen Stimme sehr ähnlich, ein fragiler Farbgeber mit dem Potential, die Zuhörer in ihrem Innersten zu bewegen. Daher instrumentierte er auch einige der bewegendsten Stellen in seinen Vokal- und Orchesterwerken mit der Oboe oder der Oboe D'Amore. Für den Schweizer Komponisten und Virtuosen Heinz Holliger ist es daher eine ebenso genussvolle wie erfüllende Aufgabe, sich mit diesem feinen, faszinierenden Ausschnitt aus dem gewaltigen Oeuvre von Bach zu beschäftigen.

Das Album „Ich hatte viel Bekümmernis – Konzerte und Sinfonien für Oboe“ bei ECM New Series bringt ihn dabei mit langjährigen musikalischen Weggefährten zusammen, die ihm bei seiner Beschäftigung inspirierend zur Seite stehen. Mit der Camerata Bern arbeitete Heinz Holliger bereits regelmäßig während der vergangenen Jahrzehnte und deren Leiter Erich Höbarth fungiert zugleich als sein solistischer Partner in Bachs „Doppelkonzert für Violine und Oboe BWV 1060“. Manche der Werke wiederum begleiten den Solisten schon über Dekaden der eigenen Laufbahn wie das „Concerto für Oboe D'Amore A-Dur, BWV 1055“, das Holliger zunächst 1965, später noch einmal 1982 und nun zum dritten Mal in der bislang ausgereiftesten Version festgehalten hat. Anderes ist aber wie das Adagio aus der Kantate „Ich steh' mit einem Fuß im Grab“ oder die Einleitung des zweiten Teils des „Oster-Oratoriums“ in dieser Form ein Novum in der umfassenden Diskografie des Künstlers.

Ganz neu ist auch sein zweites Album, mit dem Heinz Holliger sich in diesem Frühsommer der Musikwelt präsentiert. Es trägt den Titel „Induuchlen“ und richtet das Augenmerk auf den Komponisten Holliger. Verwirklicht mit einem großen Team aus Sängern, Instrumentalisten, Perkussionisten und Sprechern, reicht das Spektrum der Ausdrucksformen von „Puneigä“, der zehn Liedern mit Zwischenspielen und Gedichten von Anna Maria Bacher über die vier Lieder des Titelwerkes „Induuchlen“ nach der Vorlage „Briensertiitsch Väärsa“ von Albert Streich bis hin zu den „Toronto-Exercises“ von 2005 und „Ma'mounia“ für Soloschlagzeug dun Instrumentalquintett. Damit knüpft Holliger zum einen an die bereits seit 1997 bestehende Partnerschaft mit ECM New Series an, die damals mit der Einspielung von Zelenkas „Trio Sonate“ begann. Die Aufnahmen stellen den 72-jährigen Komponisten, Dirigenten und Musiker aber auch als einen der versiertesten und zugleich humorvollsten Repräsentanten der Neuen Musik vor, der seine Wurzeln ebenso im Regionalen wie im Internationalen, im Originalen wie im Diskurs hat.