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11.05.2011

Mozarts Sturm-und-Drang-Werk Idomeneo an der Komischen Oper Berlin

Mozarts Sturm-und-Drang-Werk Idomeneo an der Komischen Oper Berlin © Wolfgang Silveri Idomeneo an der Komischen Oper Berlin © Wolfgang Silveri

Troja ist zerstört, die Kämpfer kehren nach Hause zurück, aber die Götter schenken den Siegern keinen Frieden. Die Flotte des Idomeneo gerät auf der Fahrt nach Kreta in einen fürchterlichen Sturm und in seiner Todesangst schwört der König dem Meeresgott, ihm den ersten Menschen zu opfern, der ihm nach seiner glücklichen Rettung begegnet. Dieser Mensch ist sein eigener Sohn Idamantes. Mit einer List versucht Idomeneo, seinem Sohn den Tod auf dem Altar zu ersparen, und bringt dadurch Volk und Reich in größte Gefahr. Endlich erkennt Idamantes, was er zu tun hat, und entschließt sich, sein Leben für den Frieden des Landes und seines Vaters hinzugeben.

Die Geschichte des Vaters, der sein eigenes Kind opfern muss, gehört zu den Urmythen der Menschheit. Er liegt auch den biblischen Geschichten von Abraham und Isaak sowie von Jephta und seiner Tochter zugrunde, die in der christlichen Lehre als Aufforderung zur demütigen Unterordnung unter die göttliche Macht gedeutet wurden. Wolfgang Amadeus Mozart ignoriert diese Tradition und stellt sich ganz auf die Seite der Menschen, die gegen die göttliche Übermacht rebellieren und in der schwersten Bedrückung um die Bewahrung ihrer Würde und Menschlichkeit ringen: Ein Thema, das den jungen Komponisten außerordentlich fasziniert haben muss, denn nie wieder hat er eine Musik von so glühender Leidenschaft, so aufwühlender Kraft und so bestechendem Farbenreichtum komponiert.

In Benedikt von Peters Inszenierung wird das Stück zu einer beklemmenden Erzählung über eine Gesellschaft, die aus dem Schatten des Krieges herauszutreten versucht. Das Menschenopfer, das der kretische König dem Meeresgott verspricht, wird zum Symbol für das Trauma, das den Kriegsheimkehrer plagt, und mit dem er die Vergangenheitsbewältigung der Gesellschaft immer wieder behindert und in Frage stellt. Wenn die Probleme schließlich durch einen göttlichen Eingriff gelöst werden, ist zwar der Weg frei in eine Ordnung, die nicht auf Gewaltausübung basiert, aber das Stück verschweigt nicht, dass auch ein solcher Sieg einen hohen Preis kosten kann: Idomeneo und Elektra, die unglückliche Tochter des ermordeten und blutig gerächten Agamemnon bleiben zurück und können den Schritt in die Zukunft nicht vollziehen. Wie viel Utopie die am Ende sich etablierende »Gesellschaft der Liebe« tatsächlich realisiert und ob der Gewinn den Preis rechtfertigt, überantworten Stück und Aufführung als offene Frage den Zuschauern. Mozarts Werk erweist sich so als eines, das Probleme von bestürzender Aktualität mit kompromissloser Härte aufwirft.

Kartentelefon der Komischen Oper Berlin: +49 (30).47 99 74 00