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15.04.2011

Auf den Spuren des norwegischen Paganini - “Lysøen” von Nils Økland und Sigbjørn Apeland

Einem in Vergessenheit geratenen Virtuosen des 19. Jahrhunderts widmeten Geiger Nils Økland und Pianist Sigbjørn Apeland ihr Duo-Album “Lysøen”: dem Violinisten und Komponisten Ole Bull.

Nils Okland, Auf den Spuren des norwegischen Paganini - Lysøen von Nils Økland und Sigbjørn Apeland © Lars O. Flydal / ECM Nils Økland © Lars O. Flydal / ECM

Als der König von Dänemark den norwegischen Violinisten Ole Bull (1810-1880) nach seinen Lehrern befragte, soll dieser zur Antwort gegeben haben: “Die Berge Norwegens, Eure Majestät.” Bis heute eilt vielen norwegischen Musikern der Ruf voraus, dass die überwältigende Naturschönheit des Landes einen prägenden Einfluss auf ihre Musik habe. Dies gilt nicht zuletzt für die Künstler, die in den letzten vier Jahrzehnten bei dem Münchner Label ECM Records ihre editorische Heimat fanden. Dabei stimmt dies natürlich längst nicht immer. Im Falle von Nils Økland und Sigbjørn Apeland indes trifft es zu. Die beiden haben nun ihrem großen, etwas in Vergessenheit geratenen Landsmann Ole Bull ihr Album “Lysøen” gewidmet. Zu hören gibt es darauf neben Interpretationen von Werken Bulls, auch Eigenkompositionen, ein Stück von Grieg und traditionelle norwegische Volksweisen.

Bull ist heute vor allem für seine melodisch-romantischen Orchesterwerke bekannt. Zu Lebzeiten feierte man ihn jedoch für seine außerordentliche Virtuosität und sein erstaunliches Improvisationsvermögen. Zu seinen glühendsten Bewunderern zählten nicht nur zeitgenössische Musikkollegen wie Franz Liszt (der Bull des öfteren am Klavier begleitete) und Edvard Grieg, sondern auch die Autoren Mark Twain und William Thackeray. Kritiker nannten ihn damals oft den legitimen Nachfolger des Teufelsgeigers Niccolò Paganini. Bull widmete sich aber nicht ausschließlich klassischer Musik, sondern spielte mit ebensolcher Begeisterung auch norwegische Volksmusik.

“Wir möchten nicht den Anspruch erheben, so improvisieren zu können wie Bull es tat”, sagen Geiger Økland und Pianist Apeland bescheiden, “aber wir verwenden viele derselben Themen, die er benutzte. Und so wie er basieren wir unsere Improvisationen oft auf norwegischer Volksmusik.”

Als vormalige Direktoren der Ole-Bull-Akademie in Voss sind beide Musiker natürlich bestens mit Bulls Werken vertraut. Während Sigbjørn Apeland mit “Lysøen: Hommage à Ole Bull” seinen Einstand bei ECM gibt, ist Nils Økland schon ein alter Bekannter: zunächst glänzte er als Mitglied des Christian Wallumrød Ensembles auf den Alben “Sofienberg Variations” (2001) und “A Year From Easter” (2004), dann erregte er großes Aufsehen mit seinem 2008 veröffentlichen Solodebütalbum “Monograph”.

Mit der wunderbaren Musik von “Lysøen” dürften Nils Økland und Sigbjørn Apeland nun sowohl Hörer klassischer Musik ansprechen als auch Fans nordischer Volksmusik und Freunde der Improvisation.