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14.04.2011

Lust auf mehr - Andrea Marcons Mozart

Ouvertüren geben ein Versprechen. Sie machen Lust auf mehr Musik und das hat den Barockspezialisten Andrea Marcon dazu veranlasst, ein Album ausschließlich den „Mozart Ouvertures“ zu widmen

Andrea Marcon, Lust auf mehr - Andrea Marcons Mozart © Susanna Drescher / UMG Andrea Marcon © Susanna Drescher / UMG

Für Andrea Marcon ist es auch ein wenig eine Heimkehr. In den achtziger Jahren studierte der Organist, Cembalist und Dirigent aus Treviso an der Schola Cantorum Basiliensis und wurde dort von Koryphäen wie Jean-Claude Zehnder, Jesper Christensen und Jordi Savall in die Geheimnisse der Alten Musik und historischen Forschung eingeweiht. Dann zog er in die Welt, gewann Preise in Brügge, Innsbruck oder auch Bologna und machte sich als Kopf des Venice Baroque Orchestra einen Namen als Spezialist für Vivaldi, Bach und Händel. Im Jahr 1997 aber kam Andrea Marcon zurück nach Basel, nun als Dozent und inzwischen als Professor an der Schola Cantorum. Er blieb der Stadt und dem Institut verbunden und hat seit 2009 sogar die Leitung des La Cetra Barockorchesters Basel übernommen. Das Ensemble war ein Jahrzehnt zuvor von Dozenten und Absolventen der Hochschule für Alte Musik gegründet worden und entwickelte sich schrittweise zu einem bemerkenswerten Orchester der Spezialisten, die mit besonderer Finesse sich der Musik in ihrem möglichst ursprünglichen Klanggewand widmen.

Mit den „Mozart Ouvertures“ legt das La Cetra Barockorchester Basel nun eine Visitenkarte vor, mir der es sich international im Kreise der kompetenten historischen Ensembles empfiehlt. Denn Andrea Marcon leitet die Musiker mit der für ihn charakteristischen Präsenz und Klarheit durch einen Kosmos des Epochenübergangs, den er am Beispiel eines besonders begabten Komponisten entwickelt. Über die ganze Schaffenszeit hinweg hatte sich Wolfgang Amadeus Mozart mit der Gattung Oper beschäftigt und sie im Gefolge seiner eigenen künstlerischen Entwicklung vom Spätbarock in die markante Klassik geführt. Andrea Marcon verfolgt diese Genese des Individualstils, indem er chronologisch von „Apollo et Hyacinthus“ des Elfjährigen bis hin zu „La Clemeza Di Tito“ von 1791 die Ouvertüren der Opern interpretiert. Lediglich zwei Werke hat er ausgelassen, weil es sich dabei nicht um reine Orchesterpartituren handelt, und das Vorspiel der Pantomime „Les Petits Riens“ wurde ebenfalls ausgeklammert.

Ansonsten leitet Andrea Marcon das Orchester durch sechzehn Instantopern in Form der Ouvertüren, die die Entwicklung des Komponisten und seiner Zeit von spätbarocken Vorbildern bis zu der Frühromantik nahen Konzepten markant nachvollziehen. Dabei legt er Wert auf möglichst klare, filigrane Darstellung der Werke, die sich zum Teil deutlich von verklärenden Klangvorstellungen früherer Deutungen unterscheiden. „Man kann hier nie zuvor Gehörtes, ja Unerhörtes hören in Stücken, die man gut zu kennen glaubt“, meint er selbst über seine Arbeit mit dem La Cetra Barockorchester Basel. Und so bieten die „Mozart Ouvertures“ ein Panoptikum der direkten und packenden Werkeindrücke, die auch manchen Klassik-Fan noch faszinieren werden, der meint, seinen Mozart schon in allen wichtigen Facetten zu kennen.

Das Album ist inklusive digitalen Booklets ist ab sofort auch bei iTunes erhältlich.