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08.04.2011

Strauss’ „Salome“ feiert am 10. April Premiere an der Komischen Oper Berlin

„Der Kopf eines Mannes, der vom Rumpf getrennt ist, ist ein übler Anblick.“ Auch auf einem Silberteller.

Strauss’ Salome feiert am 10. April Premiere an der Komischen Oper Berlin © Monika Rittershaus Richard Strauss' Salome an der Komischen Oper Berlin © Monika Rittershaus

Richard Strauss’ 1905 uraufgeführtes Musikdrama nach dem Einakter von Oscar Wilde war nicht nur der kaiserlichen Meinung Wilhelms II. nach ein Opernskandal – dennoch bedeutete es für den Komponisten den internationalen Durchbruch im Bereich der Oper. Und das »schamloseste und obszönste Werk der Opernliteratur« (Marcel Reich-Ranicki) erfreut sich bis heute ungebrochener Beliebtheit. Thilo Reinhardt wird nach Hoffmanns Erzählungen und Pique Dame mit seiner Inszenierung von Salome zum dritten Mal an der Komischen Oper Berlin arbeiten. Die überbordend-sinnliche und gleichzeitig psychologisch genaue Geschichte um die fatale Wechselwirkung verschiedener Obsessionen soll dabei nicht in eine realistische Erzählweise überführt, sondern mit einer comichaft überzeichnenden Spielweise konfrontiert werden, die die grotesken Momente der Partitur in den Mittelpunkt stellt.

Richard Strauss sorgte mit seiner dritten Oper für einen Opernskandal. Kritiker und Publikum erbosten sich über die »unsittliche« Thematik, die schon dazu geführt hatte, dass das Schauspiel von Oscar Wilde 1892 in London verboten und erst viele Jahre nach der Entstehung uraufgeführt worden war. Nichtsdestoweniger – oder gerade deshalb – erfreute sich das Werk einer großen Popularität und wurde bereits innerhalb eines halben Jahres nach der Uraufführung an vier weiteren Opernbühnen inszeniert. In der Figur der Salome setzte Strauss den Prototyp der Femme fatale in Töne. Mit der todbringenden Konfrontation von weiblich-triebhaftem Wollen und männlich-asketischem Willen griff er zudem einen zentralen Diskurs der Wiener Moderne auf, den Otto Weininger in seiner 1903 erschienenen Schrift Geschlecht und Charakter wohl am wirkungsmächtigsten formuliert hatte. Strauss konzentriert den Blick in seiner Oper auf die psychologische Entwicklung der Protagonistin. In dem etwas über 100-minütigen Einakter läuft die Handlung ohne nennenswerte Nebenstränge von der ersten Begegnung von Salome und Jochanaan hin zur Erfüllung ihres Kussverlangens. Dabei nimmt der zum Schluss komponierte »Tanz der sieben Schleier« eine Sonderstellung innerhalb des Stückes ein, weniger als musikalische Einlage, sondern als »psychologisch motivierter Exzess zwischen Selbstdarstellung, Verführung und ekstatischem Rausch[, der] zum eigentlichen Zentrum der Partie« wurde (Jürgen Schläder)

Thilo Reinhardt: »Salome ist für mich die Geschichte einer jungen Frau, die durch die Begegnung mit einem fundamentalistischen Widerstandskämpfer radikalisiert wird und sich gleichzeitig in ihn verliebt. Sie versucht ihre Liebesutopie zu verwirklichen, indem sie die sexuellen Obsessionen ihres Stiefvaters instrumentalisiert und dadurch dem Revolutionär zum Märtyrertod verhilft.«

Mit Andreas Conrad (Herodes), Christiane Oertel (Herodias), Morenike Fadayomi (Salome), Egils Silins (Jochanaan) und Joska Lehtinen (Narraboth) geht diese mit großer Spannung erwartete Neuproduktion am kommenden Sonntag in der Komischen Oper in der Behrensstrasse in Szene und man darf gespannt sein, ob es Thilo Reinhardt gelingen wird, mit seiner Sicht eine ernsthafte Alternative zu Harry Kupfers noch immer maßstäblicher Inszenierung von 1979 (sic!) an der benachbarten Staatsoper zu präsentieren.

Premiere: 10. April 2011, um 19:00 Uhr

Weitere Aufführungen:
15./23./29. April, 6./17./21. Mai, 11. Juni 2011, jeweils um 19:30 Uhr
Komische Oper ’Festival … 13. Juli 2011, 19:30 Uhr

Kartentelefon Komische Oper Berlin: +49 (30).47 99 74 00