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15.03.2011

Die große und die kleine Geste

Jörg Widmann hat sich Zeit gelassen. Systematisch hat der Komponist und Klarinettist aus München seine Stellung in der Neuen Musik ausgebaut. „Elegie“ zeigt, dass er schon sehr weit gekommen ist.

Jörg Widmann, Die große und die kleine Geste Jörg Widmann

Akzeptanz zeigt sich immer gut an der Meinung der Kollegen. Und die äußert sich nicht unbedingt verbal, sondern auch in Taten. Jörg Widmann, geboren 1973 in München, gehört zu den wichtigsten Protagonisten einer jungen Neuen Musik, hat schon als Elfjähriger angefangen Komposition zu studieren und ging im Anschluss daran bei Größen wie Wilfried Hiller, Hans-Werner Henze, Heiner Goebbels und Wolfgang Rihm in die Lehre. Zunächst machte er sich einen Namen als Klarinettist und bereits hier setzte die Würdigung ein. Spätere Kollegen wie Rihm, Heinz Holliger und Aribert Reimann schrieben Werke für ihn. Er selbst war bald an der Seite von Koryphäen wie Tabea Zimmermann, Andràs Schiff, Kim Kashkashian oder Hélène Grimaud zu hören, und baute zunehmend auch seine Reputation als Komponist aus. Die Anerkennung folgte, durch die internationale Presse und das Publikum, aber auch durch alte Meister wie Pierre Boulez, der Jörg Widmanns Orchesterwerk „Armonica“ zusammen mit den Wiener Philharmonikern uraufführte.

So war es nur konsequent, dass Produzent Manfred Eicher den bayerischen Visionär der Neuen Musik in seinen Künstlerstamm aufnahm und ihm als Solist – übrigens an der Seite seiner ebenfalls international renommierten Schwester, der Geigerin Carolin Widman – mit Erkki-Sven Tüürs „Noesis“ ein Forum gab. Mit „Elegie“ setzt sich diese Zusammenarbeit fort und präsentiert Jörg Widmann in verschiedenen Konstellationen. Das Herz des Albums bilden „Fünf Bruchstücke für Klarinette und Klavier“ (1997), die Widmann zusammen mit Heinz Holliger am Klavier verwirklicht. Drumherum sind zwei große Werke platziert, die ihn wie die „Messe für großes Orchester“ (2006) entweder nur als Komponisten oder wie die „Elegie für Klarinette und Orchester“ (2005) als Solisten und Komponisten präsentieren. Für den großen Klangrahmen sorgt die Deutsche Radio Philharmonie unter der Leitung von Christoph Poppen, für die Referenz der Künstler selbst, der sich mit diesem Album bei ECM New Series endgültig als wichtige Kraft der gegenwärtigen Musikszene positioniert.