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07.03.2011

Aus dem Windschatten ins Rampenlicht - "Vespers" von Iro Haarla

Auf ihrem zweiten ECM-Album “Vespers” zeigt die finnische Pianistin, Komponistin und Arrangeurin Iro Haarla, welche Talente über zwei Jahrzehnte in ihr schlummerten.

Iro Haarla, Aus dem Windschatten ins Rampenlicht - Vespers von Iro Haarla © Colin Eick / ECM Records Iro Haarla © Colin Eick / ECM Records

Es ist fast ein wenig traurig, dass es Iro Haarla erst nach dem Tod Edward Vesalas gelang, aus dessen Windschatten herauszutreten. Aber besser spät als nie. Rund zwanzig Jahre hatten die beiden, die auch privat ein Paar waren, eng zusammengearbeitet. In dieser Zeit war Haarla nicht nur Vesalas Pianistin und Harfenistin, sondern arrangierte und orchestrierte seine Musik auch. Laut Trygve Seim entstanden zudem viele Kompositionen Vesalas nur dank ihrer tatkräftigen Hilfe. Als der finnische Schlagzeuger und Bandleader 1999 starb, hinterließ sein Tod in Iro Haarla eine klaffende Lücke, die sie nach und nach mit ihrer eigenen Musik auszufüllen begann. Nach einigen Aufnahmen für kleine finnische Independent-Labels trat sie 2006 mit ihrem ersten ECM-Album “Northbound” endlich ins internationale Scheinwerferlicht. Nun legt Haarla mit “Vespers” das zweite eigene Album auf Vesalas langjährigem Stammlabel vor.

Zu hören ist sie auf “Vespers” unter anderem mit zwei Musikern, die selbst noch mit Vesala spielten: Saxophonist Trygve Seim und Bassist Uffe Krokfors. In Jon Christensen fand die Bandleaderin einen Schlagzeuger, der einen ganz besonderen Sinn für Dynamik besitzt, für sein Einfühlungsvermögen bekannt ist und nie in formelhaftes Spiel verfällt. Wie Vesala ist er ein Meister freier Balladen. Schließlich ist da noch Trompeter Mathias Eick, der in Kürze sein eigenes neues Album „Skala“ bei ECM herausbringt. Eick gilt als eines der größten Talente der europäischen Jazzszene und bewies seine Vielseitigkeit u. a. schon an der Seite von Manu Katché (Album “Playground”), Chick Corea und Pat Metheny sowie bei Jaga Jazzist und Motorpsycho.

Durch den Einfluss der klassisch geschulten Iro Haarla hatte sich Edward Vesalas Musik in den 80er Jahren merklich gewandelt. War sie zuvor sehr frei und mitunter fast etwas ungestüm gewesen, so gewann sie durch Haarla ein Mehr an Struktur und Melodiösität. Auf ihren eigenen Werken, die sie nach dem Tod ihres Mannes herausbrachte, verschob die finnische Künstlerin den Schwerpunkt noch weiter in diese Richtung. Auch wenn sie in ihren Kompositionen stets reichlich Raum für spontane Einlassungen und Improvisationen lässt. Mit Seim, Eick, Krokfors und Christensen hat Iro Haarla Musiker gefunden, die nicht nur Kompositionen perfekt umsetzen, sondern die gewährten Freiräume auch mit aufregenden eigenen Ideen ausstatten.