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19.01.2011

Drei Romantiker - Alexander Lonquich spielt Schumann und Holliger für ECM New Series

Robert Schumann, Heinz Holliger, Alexander Lonquich – drei Künstler, die für ECM New Series die Idee des Romantischen als Komponist, Kommentator und Interpret in verschiedenen Näherungen ausloten

Alexander Lonquich, Lonquich spielt Schumann und Holliger für ECM New Series © Dániel Vass / ECM Alexander Lonquich © Dániel Vass / ECM

Das Klavier war noch ein junges Instrument. Anno 1808 präsentierte Sébastien Érard den Prototyp seiner Repetitionsmechanik, die er 1821 modifizierte und die schließlich in der um 1840 von Henri Herz entwickelten verfeinerten Konstruktion mit Doppelfeder zur Grundlage des modernen Flügelbaus wurde. Für junge Virtuosen war es daher noch eine immense Herausforderung, dem sperrigen, aber machtvollen Instrument Herr zu werden, zumal die Konkurrenten etwa auf der Geige bereits beachtliche Erfolge vorzuweisen hatte. Robert Schumann - in jungen Jahren ein beachtlicher Pianist, bevor er sich durch übermäßige Fingerübungen die Hände ruinierte – sah in dem Instrument gar die Möglichkeit, ähnlich einem Romancier in der Literatur ganze Welten zu entfalten.

Seine Fantasiensuite „Kreisleriana op.16“ war so ein Entwurf. Vom Titel her an der rätselhaften Romanfigur des Kapellmeisters Kreisler von E.T.A. Hoffmann orientiert, gelang Schumann ein sorgsam in sich ausgewogenes Konzertstück in acht Kapiteln, das er als wichtigen Schritt in der eigenen musikalischen Entwicklung ansah. An seine verehrte Clara schrieb er damals in einem Brief: “Meine Kreisleriana spiele manchmal! Eine recht ordentlich wilde Liebe liegt darin in einigen Sätzen, und Dein Leben und meines und manche deiner Blicke“.

Dem Schwärmer Robert Schumann stellt Heinz Holliger den kreativen Genius gegenüber, der sich hinter der Fassade des romantischen Zweiflers verbirgt. Schumann sei als Komponist fast immer das eigentliche Zentrum seiner Gedanken, meint Holliger, auf seine Beziehung zu dessen Werk angesprochen. Und so hat auch die 1999 ursprünglich für András Schiff entstandene „Partita“ einen romantischen Kern, der versucht, an die gestalterischen Kraft des Vorläufers anzuknüpfen – der seine „Kreisleriana“ übrigens wiederum Frédéric Chopin widmete - und sie in die Gegenwart zu überführen.

Für den in Trier geborenen Pianisten Alexander Lonquich ist es daher ein ebenso faszinierendes wie stimmiges Experiment, für ein Solo-Recital die musikalischen Welten der beiden Komponisten zu kontrastieren und zu verknüpfen. Selbst in frühen Jahren seiner Karriere als Romantik-Spezialist qualifiziert und inzwischen einer der versiertesten Klavier-Virtuosen epochenüberschreitender Programme, hat Lonquich sich im November 2008 unter der Ägide von Produzent Manfred Eicher im Auditorium RSI in Lugano an die Verbindung der musikalischen Welten gewagt und einen Bogen geschaffen, der aus dem Geiste des Ahnen der modernen Klaviermusik die Erben der Gegenwart inspiriert. Ein Treffen der Gleichgesinnten im Geiste, getragen von der Gestaltungskraft eines herausragenden Pianisten unserer Tage.

 

Drei Romantiker

Robert Schumann, Heinz Holliger, Alexander Lonquich – drei Künstler, die für ECM New Series die Idee des Romantischen als Komponist, Kommentator und Interpret in verschiedenen Näherungen ausloten.

Das Klavier war noch ein junges Instrument. Anno 1808 präsentierte Sébastien Érard den Prototyp seiner Repetitionsmechanik, die er 1821 modifizierte und die schließlich in der um 1840 von Henri Herz entwickelten verfeinerten Konstruktion mit Doppelfeder zur Grundlage des modernen Flügelbaus wurde. Für junge Virtuosen war es daher noch eine immense Herausforderung, dem sperrigen, aber machtvollen Instrument Herr zu werden, zumal die Konkurrenten etwa auf der Geige bereits beachtliche Erfolge vorzuweisen hatte. Robert Schumann - in jungen Jahren ein beachtlicher Pianist, bevor er sich durch übermäßige Fingerübungen die Hände ruinierte – sah in dem Instrument gar die Möglichkeit, ähnlich einem Romancier in der Literatur ganze Welten zu entfalten.

Seine Fantasiensuite „Kreisleriana op.16“ war so ein Entwurf. Vom Titel her an der rätselhaften Romanfigur des Kapellmeisters Kreisler von E.T.A. Hoffmann orientiert, gelang Schumann ein sorgsam in sich ausgewogenes Konzertstück in acht Kapiteln, das er als wichtigen Schritt in der eigenen musikalischen Entwicklung ansah. An seine verehrte Clara schrieb er damals in einem Brief: “Meine Kreisleriana spiele manchmal! Eine recht ordentlich wilde Liebe liegt darin in einigen Sätzen, und Dein Leben und meines und manche deiner Blicke“.

Dem Schwärmer Robert Schumann stellt Heinz Holliger den kreativen Genius gegenüber, der sich hinter der Fassade des romantischen Zweiflers verbirgt. Schumann sei als Komponist fast immer das eigentliche Zentrum seiner Gedanken, meint Holliger, auf seine Beziehung zu dessen Werk angesprochen. Und so hat auch die 1999 ursprünglich für András Schiff entstandene „Partita“ einen romantischen Kern, der versucht, an die gestalterischen Kraft des Vorläufers anzuknüpfen – der seine „Kreisleriana“ übrigens wiederum Frédéric Chopin widmete - und sie in die Gegenwart zu überführen.

Für den in Trier geborenen Pianisten Alexander Lonquich ist es daher ein ebenso faszinierendes wie stimmiges Experiment, für ein Solo-Recital die musikalischen Welten der beiden Komponisten zu kontrastieren und zu verknüpfen. Selbst in frühen Jahren seiner Karriere als Romantik-Spezialist qualifiziert und inzwischen einer der versiertesten Klavier-Virtuosen epochenüberschreitender Programme, hat Lonquich sich im November 2008 unter der Ägide von Produzent Manfred Eicher im Auditorium RSI in Lugano an die Verbindung der musikalischen Welten gewagt und einen Bogen geschaffen, der aus dem Geiste des Ahnen der modernen Klaviermusik die Erben der Gegenwart inspiriert. Ein Treffen der Gleichgesinnten im Geiste, getragen von der Gestaltungskraft eines herausragenden Pianisten unserer Tage.