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12.01.2011
ECM Sounds

ECM: Ungebrochen kreativ ins neue Jahr

Das Label ECM startet gleich mit einer ganzen Reihe aufregender Produktionen von neuen und etablierten Künstlern ins Jahr 2011.

Mathias Eick, ECM: Ungebrochen kreativ ins neue Jahr © Colin Eick Mathias Eick © Colin Eick

Das Jahr 2010 hätte für Manfred Eicher und sein ECM-Label wohl kaum besser verlaufen können. Im April erhielt der in München ansässige Produzent den “Lifetime Achievement Award” des amerikanischen Jazzmagazins DownBeat. Im Juni kürte die aus internationalen Kritikern bestehende Jury desselben Magazins den ECM-Labelchef zum Produzenten und ECM zum Plattenlabel des Jahres. Und im Dezember wurde Keith Jarretts “Köln Concert” von der amerikanischen Recording Academy als “Aufnahme von bleibender qualitativer oder historischer Bedeutung” in die “Grammy Hall of Fame” aufgenommen. So viele Auszeichnungen verpflichten natürlich. Und so wird ECM ins Jahr 2011 gleich mit einer ganzen Reihe vielversprechender Produktionen starten.

Ganz besondere Aufmerksamkeit verdient vor allem das ECM-Debütalbum des Colin Vallon Trios. Die Formation, bei der das Spiel im Kollektiv groß geschrieben wird, besteht schon seit über zehn Jahren und nahm bisher zwei Alben auf. Nun legt der aus Lausanne stammende Pianist mit Bassist Patrice Moret und Schlagzeuger Samuel Rohrer im Januar sein erstes ECM-Album vor: “Rruga”. Der Titel kommt aus dem Albanischen und bedeutet “Pfad” oder “Weg”. Musikalisch führt dieser teilweise in die Region des Balkan oder Kaukasus. Wesentlich wichtiger ist dem jungen Trio, das in geradezu schlafwandlerischer Manier miteinander zu kommunizieren versteht, aber das stets geschlossene Ensemblespiel. Solistischer Eskapismus steht beim Colin Callon Trio nicht auf dem Programm.

Mit einem ungewöhnlichen neuen Projekt wartet der von Miles Davis beeinflusste italienische Trompeter Paolo Fresu auf: Gemeinsam mit dem Bandoneónspieler Daniele die Bonaventura und dem korsischen Gesangsseptett A Filetta taucht er auf “Mistico Mediterraneo” in die geheimnisvolle Welt der traditionellen korsischen Folklore ein. Obwohl die instrumentalen und stilistischen Ingredienzen dieses Albums ganz andere sind, drängt sich ein Vergleich mit den faszinierenden musikalischen Experimenten auf, die Jan Garbarek und das Hilliard Ensemble bei ihrem “Officium”-Projekt wagten. In Analogie zu Miles Davis’ “Sketches Of Spain” könnte man hier allerdings auch von “Sketches Of Corsica” sprechen.

Ihr zweites Album bei ECM bringt die charismatische deutsch-iranische Sängerin Cymin Samawatie mit ihrer ungemein agilen Band Cyminology heraus. Hatte sich Cymin auf ihrem ersten Album “As Ney” noch von klassischer persischer Dichtung inspirieren lassen, so vertonte sie nun für “Saburi” durchweg eigene, in Farsi geschriebene Texte, die von der Liebe handeln.  Beeindruckend ist auch, wie das Begleittrio die emotionale Atmosphäre ihrer Lieder zur Geltung bringt. Das Album gerät so zu einem lyrischen Meisterwerk im Spannungsfeld von zeitgemäßer Folklore und jazziger Improvisation.

Erinnerungen an seine bahnbrechenden Duo-Aufnahmen mit dem Cellisten David Darling weckt der Pianist Ketil Bjørnstad mit dem Album “Night Songs”. Sein Partner ist diesmal aber nicht der Amerikaner, mit dem er in den 90ern “The River” und “Epigraphs” einspielte, sondern der Schwede Svante Henryson, den man in der Jazzwelt durch Aufnahmen mit u.a.  Jon Balke und Arve Henriksen kennt, sowie darüber hinaus durch Kollaborationen mit Stevie Wonder, Elvis Costello, Ryan Adams und Yngwie Malmsteen.

Zwei der beeindruckendsten zeitgenössischen Piano-Trios werden im Februar bei ECM neue Alben vorlegen. Die in Berlin lebende Julia Hülsmann bringt mit ihren Gefährten Marc Muellbauer (Bass) und Heinrich Köbberling (Schlagzeug)  ihr zweites ECM-Album “Imprint” heraus, auf dem “die Lyrikerin des deutschen Jazz” (so Peter Rüedi in Die Zeit) musikalisch nahtlos an ihr 2008 erschienenes Debüt “The End Of A Summer” anknüpft. “Faithful” hat das polnische Marcin Wasilewski Trio sein drittes ECM-Album getauft. Und von Treue verstehen Pianist Wasilewski, Bassist Slawomir Kurkiewicz und Schlagzeuger Michal Miskiewicz eine ganze Menge. Spielen sie doch schon seit 17 Jahren zusammen: zunächst als Simple Acoustic Trio, dann als Begleitband ihres Landsmanns Tomasz Stanko und seit 2007 schließlich unter dem Namen des Pianisten.

Der 30-jährige Trompeter Mathias Eick zählt zu den stilistisch flexibelsten Musikern der norwegischen Szene. Bevor er 2008 mit dem Album “The Door” bei ECM debütierte, hatte er schon mit dem Kultensemble Jaga Jazzist, Rockbands wie Motorpsycho und Turbonegro, aber auch internationalen Größen wie Chick Corea, Pat Metheny und Manu Katché (auf dessen hochgelobtem “Playground”-Album) zusammengespielt. Jetzt hat Eick sein zweites Soloalbum “Skala” fertiggestellt, das im März bei ECM erscheint.  Mit dem Trompeter (der hier auch Vibraphon, E-Gitarre und Kontrabass spielt) sind darauf Tenorsaxophonist Tore Brunborg, Pianist Andreas Ulvo, Keyboarder Morten Qvenild, E-Bassist Audun Erlien, die Schlagzeuger Torstein Lofthus und Gard Nilssen, sowie Harfenistin Sidsel Walstad zu hören.

1997 überraschte Manfred Eicher die gesamte Musikwelt, als er von Nils Petter Molværs bahnbrechendem Album “Khmer” erstmals Remixe bei ECM veröffentlichte. Nun geht er noch einen Schritt weiter: Für das Doppelalbum “Re:ECM” ließ Eicher die chilenische Techno-Ikone Ricardo Villalobos und dessen deutschen Kollegen Max Loderbauer (Sun Electric, NSI & Moritz von Oswald Trio) emblematischeAufnahmen aus dem ECM-Katalog überarbeiten. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein. “Re:ECM” soll Mitte April als Doppel-Album erscheinen.