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05.01.2011

Beschwingt in Wien

Zum ersten Mal stand Franz Welser-Möst am Pult des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker. Und er gab ein Tempo vor, das beschwingt und entspannt das neue Klassik-Jahr begrüßte.

Franz Welser-Möst, Beschwingt in Wien © Roger Mastroianni Franz Welser-Möst © Roger Mastroianni

Es war auch ein Zeichen der besonderen Wertschätzung, die das berühmte Orchester dem frisch in der Stadt verankerten Wahlwiener entgegenbrachte. Schließlich hatte Franz Welser-Möst erst wenige Monate zuvor sein neues Amt als Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper angetreten. Dass der 50-jährige, international renommierte Dirigent aus Linz nun das weltweit bekannteste Klassik-Event am Neujahrstag, das immerhin in 70 Länder im Fernsehen mitzuerleben war, leiten durfte, unterstrich damit auch die Akzeptanz seiner bisherigen Arbeit von Zürich über London bis Cleveland, die nun in vielfacher Hinsicht in Wien fortgesetzt werden wird. Franz Welser-Möst war dabei erst der 14. Dirigent in der rund 70-jährigen Geschichte des Neujahrskonzerts und er gestaltete seinen Einstand als umsichtig geplantes und inhaltlich vielseitiges Panoptikum der Klangsphären rund um die musikalische Welt der Strauß-Dynastie.

Und dabei konnte er sich sogar auf einen persönlichen Hintergrund beziehen. Denn Welser-Mösts Vorfahren entstammen der Familie Dommayer, in deren Wiener Gesellschaftssalon Johann Strauß seinen ersten Auftritt als Tanzmeister absolvierte. So lag es nahe, nicht nur den reifen Komponisten mit seinen ausgefeilten und gekonnt bis in die Nuance durchgeformten Walzern, sondern auch den jungen Aufsteiger der Szene zu portraitieren, der sich noch mit Übermut und Ungestüm seinen Platz in der Gesellschaftswelt der Metropole erkämpfen wollte. Die „Debut-Quadrille“ oder auch die „Amazonen-Polka“ wirkten daher noch wesentlich impulsiver und nachdrücklicher als etwa die Polka „Muthig voran!“ oder der „Donauweibchen“-Walzer, bei denen Johann Strauß sich bereits sicher war, wie er die klangdramaturgischen Mittel möglichst effektiv einsetzte.  

Nach der Pause ging es dann weiter mit einigen kulturellen Querverweisen, die im Programm ihren musikalischen Niederschlag fanden. So wurde Spanien, das sich in der ersten Jahreshälfte 2010 als Vorsitz der EU-Rates empfohlen hatte, nachträglich mit dem „Spanischen Marsch“ von Johann Strauß verabschiedet und die Nachbarn aus Ungarn, die nun an der Reihe sind, wurden mit einem Csardas aus Johann Strauß-Operette „Ritter Pasman“ begrüßt. Schließlich wurde auch noch Franz Liszt in besonderer Weise geehrt, dessen 200.Geburtstag die Klassikwelt in diesem Jahr vielfach feiern wird. Sein „Mephisto-Walzer Nr.1“ ging dem Jubiläum im Oktober mit viel Verve voran, so wie Franz Welser-Möst überhaupt einen ebenso weitsichtigen wie präzisen, von klar gestalteten Emotionen bestimmten Dirigierstil bevorzugte.

Am Schluss gab es daher reichlich Applaus für den Debütanten des Neujahrskonzertes und bereits am 7.Januar wird die CD-Version des Klassik-Ereignisses in den Läden stehen. Eine Woche später folgt am 14.Januar die DVD-Variante des Neujahrskonzertes, der für die Spezialisten mit besonders exquisiten Ansprüchen an die Ton- und Bildqualität auch eine Bluray-Edition zu Seite gestellt wird. Viel mitreißende Musik also für alle Fans des ersten großen Klassik-Ereignisses des Jahres 2011.

Sie können das Album übrigens auch digital bei iTunes kaufen.