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16.12.2010

Die besten Klassik CD-Boxen

Es gehört zu den Vorteilen einer Traditionsfirma, dass sie auf das aufbauen kann, was über Jahre hinweg geleistet wurde. Und deshalb können Deutsche Grammophon und Decca Editionen kreieren, die die besten Künstler ihres Genres präsentieren.

Die besten Klassik CD-Boxen © Universal Music GmbH Die Klassik-Boxen des Jahres 2010 © Universal Music GmbH

Zum Beispiel Fritz Wunderlich. Der grandiose Tenor, der durch einen tragischen tödlichen Unfall gerade in dem Moment aus dem Leben gerissen wurde, als er endgültig zu einem Weltstar hätte werden können, hat bis heute seinen Platz im Herzen vieler klassische Musikfreunde. Nachdem im Vorfeld seines 80.Gebutrstags dazu aufgerufen worden war, Memorabilia unterschiedlicher Art für eine besondere Edition zur Verfügung zu stellen, war die Resonanz groß. Seine Tochter Barbara Wunderlich, die sich seit Jahren um das Erbe des Vaters mit vielen Editionen verdient gemacht hat, meinte daraufhin in einer Würdigung: „Mein Anteil an den Vorbereitungen für die Jubiläumsedition 'Der unvergessene Fritz Wunderlich' war für mich vom Umfang her durchaus vergleichbar mit den Vorbereitungen, die ich als Tochter für sein Geburtstagsfest sicher getroffen hätte, wenn er noch leben würde. Ich habe es gern gemacht. Bei dieser Arbeit fand ich jüngst ein Tonband mit Ausschnitten eines unbekannten Premieren-Mitschnitts einer 'Entführung' an der Wiener Staatsoper von 1965 (aktuell veröffentlicht auf 'Wunderlich Live on Stage'). Von der Existenz dieses Mitschnitts wusste bis dato niemand: eine Entdeckung, wie es so viele gab in den letzten 10 Jahren! Das Sichten unzähliger Dokumente und Fotos, das abendfüllende Durchhören der vielen Bänder waren also immer spannend – und haben mir das „Phänomen Fritz Wunderlich“ noch einmal ein Stück näher gebracht.

Ebenfalls seinen 80.Geburtstag hätte im Juli der anno 2004 verstorbene Dirigent Carlos Kleiber feiern können. Für die Deutsche Grammophon war das ein guter Anlass, sich ausführlich der Einspielungen zu widmen, die der geniale Maestro der Nachwelt hinterlassen hatte. Im Unterschied zu manchen Kollegen allerdings in der Menge sehr zurückhaltend, hatte Kleiber zeit seines Lebens nur wenige Aufnahmen zugelassen. Sie wurden in einer grundlegenden Box zusammengestellt und im Sommer des Jahres veröffentlicht. Die „Complete Recordings On Deutsche Grammophon“ versammeln auf 12 CDs unter anderem Kleibers legendäre Interpretation von Webers „Freischütz“, ebenfalls eine Opernaufnahme von Wagners „Tristan und Isolde“, Verdis „La Traviata“ und der Operette „Die Fledermaus“, aber auch Symphonisches von Beethoven, Brahms und Schubert. Es entstand ein Hörschatz für Freunde des subtilen Klangs, eine Box, die künstlerisch, gestalterisch und klanglich kaum Wünsche offen lässt.

Zu den treuesten Fans der Klassikwelt gehören die Verehrer der Kunst von Martha Argerich. Denn die Pianistin ist nicht nur eine Ausnahmeerscheinung der interpretatorischen Kompetenz, sondern macht sich auch rar auf der Bühne und im Studio. Das war aber nicht immer so, und so konnte die Deutsche Grammophon in diesem Herbst bereits die dritte Folge der „Martha Argerich Collection“ herausgeben, die sich umfassend auf 6 CDs mit den kammermusikalischen Arbeiten der Pianistin beschäftigt. Die Zusammenstellung ruft unter anderem ihre Aufnahmen mit dem 1993 verstorbenen zypriotischen Komponisten und Pianisten Nicolas Economou in Erinnerung, mit dem sie 1983 auf zwei Klavieren Werke von Rachmaninoff und Tschaikowsky eingespielt hat. Dazu kommen so berühmte Einspielungen wie die Klaviertrios von Schostakowitsch und Tschaikowsky mit Gidon Kremer und Mischa Maisky und das Klavierquartett Nr. 1 von Johannes Brahms mit Kremer, Maisky und Yuri Bashmet. Und zwei besondere Pretiosen noch dazu: Prokofieffs „Cinderella“-Suite für zwei Klaviere, eingespielt im Jahre 2004 mit Mikhail Pletnev sowie das unvergessliche Konzert, das Argerich im Rahmen der Salzburger Festspiele 2009 mit dem brasilianischen Pianisten Nelson Freire gegeben hat.

Vladimir Horowitz reiste immer mit seinem eigenen Flügel. Das mag für Nicht-Pianisten wie eine Marotte wirken, war aber für den 1989 verstorbenen Ausnahme-Künstler aber die Grundlage, immer wieder sich zu den Gipfeln der Interpretation aufzuschwingen. Einige seiner späten Auftritte ließ er von den Spezialisten der Deutschen Grammophon mitschneiden. Sie füllten immerhin sieben CDs, die unter dem Titel „Vladimir Horowitz – The Complete Recordings on Deutsche Grammophon“ in einer Box zusammengefasst und neu ediert wurden. Zu diesen historischen Dokumenten der Klaviergeschichte gehören beispielsweise Horowitz’ erste Studioaufnahme nach über zehn Jahren Pause, die 1985 entstand. „Horowitz In Moscow“ führte den Genius im Jahr darauf zurück in die russische Hauptstadt. „Horowitz Plays Mozart“ zählt als seine einzige Aufnahme eines Mozart-Klavierkonzerts zu den Raritäten in der Diskografie des Künstlers. „Horowitz The Poet“ wiederum präsentierte den Pianisten als reflektierten und zugleich impulsiven Interpreten von Kompositionen von Franz Schubert und Robert Schumann. Und den Höhepunkt und Abschluss der Edition bildete „Horowitz In Hamburg“, das Dokument des letzten öffentlichen Auftritts des großen Pianisten im Juni 1987. Alles zusammen ist eine Edition, die schon jetzt zu den Klassikern ihrer Art gehört.

Die Berliner Philharmoniker sind einer der Maßstäbe der klassischen Orchesterwelt. Das hängt zum einen mit den herausragenden Musikern zusammen, die im Orchestergraben des Ensembles sitzen, aber natürlich auch mit den Meistern am Pult, die den Weg geprägt haben. Eine der Besonderheiten ist dabei die Kontinuität, die durch vergleichsweise wenige, aber visionäre Dirigenten möglich wurde. Die Box „Die Berliner Philharmoniker – Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft“ nahm dieses Thema auf und machte daraus eine spannende Edition auf 5 CDs und einer DVD. Sie präsentiert Wilhelm Furtwänger mit Schumann und Haydn, Herbert von Karajan mit Beethoven, Bruch und Mendelssohn (übrigens mit der jungen Anne-Sophie Mutter als Gast), Claudio Abbado mit Mahler, Prokofjeff und Ravel, schließlich Sir Simon Rattle mit Tschaikowsky und Stravinsky. Das alles zusammen ergibt ein famoses Feature über eines der Spitzenorchester der Klassikwelt, das auch nach rund 130 Jahren Geschichte noch den Ton angibt.

Ganz zum Schluss doch noch ein Tipp für eine ungewöhnliche Compilation. Zusammen mit der Zeitschrift Brigitte wurde in diesem Herbst eine Edition kreiert, die ihr Augenmerk nicht nur auf die Qualität der Interpretationen, sondern auch auf die Stimmungen legt, in denen Musik genossen werden kann. Die „Brigitte-Edition“ versammelt Stars wie Cecilia Bartoli, Maria Callas, Anna Netrebko, Anne-Sophie Mutter, Hélène Grimaud, Martha Argerich, David Garrett, Lang Lang, Jonas Kaufmann, Luciano Pavarotti oder auch Herbert von Karajan unter einem Dach und bietet die Möglichkeit, deren Musik im sinn- und stilvollen Mix der Kompositionen zu genießen. Das ist Hörerlebnis pur und außerdem ein Blickfang unter jedem Weihnachtsbaum.