Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allem zum Thema klassische Musik.

OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

02.11.2010

Ora et labora - Die Nonnen von Avignon

Mit „Chant“ haben die Mönche vom Stift Heiligenkreuz viele Menschen fasziniert. Und mit weiteren Chorälen ergänzen die Benediktinerinnen aus Avignon nun das Repertoire um eine subtile, kontemplative Dimension.

Die Nonnen von Avignon, Ora et labora - Die Nonnen von Avignon © Universal Music Die Nonnen von Avignon © Universal Music

Als Benedikt von Nursia im Jahr 529 die Abtei in Montecassino und damit das Zentrum des ersten großen Ordens des Christentums gründete, gab er seinen Glaubensbrüdern die so genannte Regula Benedicti mit auf den Weg. Diese Sammlung von Regeln für das Leben in und mit dem Kloster wiederum wurde Ausgangspunkt für viele spätere Gesetzeswerke ihrer Art und hatte ein zentrales Motto: ora et labora. Für das Labora bekam jeder Mönch seine Aufgabe zugewiesen, die er innerhalb der Gemeinschaft zu verrichten hatte. Das Ora jedoch betraf alle. Denn für Benedikt gründete das christliche Leben tief im Gebet und in der Andacht eingedenk Gottes. Papst Gregor der Große, der nur wenige Jahrzehnte später auf den heiligen Stuhl in Rom stieg, war von der Regula Benedicti so beeindruckt, dass er sie zur Grundlage seines eigenen Papsttums machte. Zur Andacht wiederum gehörte für ihn ein klar ritualisierter Gottesdienst und so gründete Gregor die Schola cantorum in Rom, die für die Pflege und Weiterentwicklung des liturgischen Repertoires zuständig war. Und er ließ die Gesänge der Mönche notieren, was wiederum den Anfangspunkt der Gregorianik setzte.

So wundert es kaum, dass die Benediktinerinnen und Benediktiner mehr als andere Orden auf eine umfangreiche Gesangskultur zurückgreifen können. Als es darum ging, nach der Darstellung der männlichen Seite des Repertoires durch die Mönche vom Stift Heiligenkreuz mit dem Album „Chant - Music For Paradise“ auch eine weibliche Alternative zu bieten, fiel die Wahl auf das französische Stift Notre-Dame de L'Annonciation in Le Barroux in der Nähe von Avignon. Es handelt sich um eine vergleichsweise junge Kongregation, gegründet 1979 und von 1986 an aufgebaut. Erst 2005 bekam die Abteikirche des Klosters den päpstlichen Segen. Die Nonnen widmen sich dabei ausgiebig alten mönchischen Tugenden und Handwerken: Buchbinden und Herstellen von Kleidungsstücken, Heilkunde und Kräuterkunst, Singen und damit verknüpft auch die Veröffentlichung der Lieder auf CD.

Sie waren die richtige Wahl für „Voices – Chant From Avignon“, eine Zusammenstellung mit Psalmen und Chorälen, Gebeten und Meditationen aus der christlichen Gesangstradition. Wie schon bei den Möchen aus Österreich geht es zu allererst um das Lobpreisen Gottes, darüber hinaus aber auch um die individuelle Andacht und Kontemplation, die mit Hilfe der Musik andere Sphären des Geistes erreicht, als es der einfache Text leisten könnte. Die Nonnen aus Avignon nehmen den Hörer sinnbildlich mit ihren Chorälen an die Hand und führen ihn aus der Hektik des Alltages in eine Welt, die von einer Ruhe bestimmt ist, die sich aus der Konzentration des Geistes auf das Wesentlich speist. So ist „Voices – Chant From Avignon“ keine schlichte Fortsetzung der Gesänge aus dem Wienerwald, sondern eine Erweiterung des spirituellen musikalischen Erlebnisses um wunderbare Melodien einer Jahrtausende alten Überlieferung.