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20.10.2010

Die Box der alten Dame - Die Edition zu Clara Haskils 50.Todestag

Am 7. Dezember 1960 starb Clara Haskil. Noch ein halbes Jahrhundert später gilt sie als Lichtgestalt der Klavierkunst. Aus diesem Grund wurden nun ihre zentralen Aufnahmen in einer Edition zusammengefasst. Ein Grundlagenwerk

Clara Haskil, Die Box der alten Dame - Die Edition zu Clara Haskils 50.Todestag © Decca / UMG Clara Haskil © Decca / UMG

Charles Chaplin meinte einst, er habe in seinem Leben drei Genies getroffen: Albert Einstein, Winston Churchill und die Pianistin Clara Haskil. Tatsächlich zählt die rumänische Pianistin auch heute noch zu den wegweisenden Interpretinnen vor allem des klassischen und romantischen Repertoires und hat eine große Gemeinde treuer Verehrer ihrer Kunst. Geboren am 7. Januar 1895 in Bukarest, galt sie schon als Kind als außergewöhnliche Begabung. Vom sechsten Lebensjahr an wurde Clara Haskil am Konservatorium ihrer Heimatstadt unterrichtet. Mit Unterstützung der rumänischen Königin bekam sie ein Stipendium in Wien, studierte unter anderem bei Richard Robert und lernte neben dem Klavier auch Geige, die sie so gut spielte, dass sie zum Spaß gerne mit Arthur Grumiaux die Instrumente tauschte. Als Zehnjährige gab Haskil ihr erstes Konzert, lernte Garbiel Fauré kennen und wurde nach Paris geholt, wo sie bei Alfred Cortot ihrer Kunst perfektionierte. Schwere gesundheitliche Probleme mit der Wirbelsäule beeinträchtigen allerdings eine kontinuierliche internationale Karriere. Haskil lebte seit den zwanziger Jahren in der Schweiz, nahm erst von 1934 an Schallplatten auf und wurde ungewöhnlich spät erst 1947 fest unter Vertrag genommen.

Von da an allerdings entstehen zahlreiche Meisterwerke der Tonträgergeschichte, die sie bald, auch durch die Unterstützung von Freunden wie Dinu Lipati und Pablo Casals, die internationale Wertschätzung erfahren ließen, die ihr schon lange vorher zugestanden wäre. Aufgrund ihrer herausragenden technischen Fertigkeiten meisterte sich mühelos die großen Repertoire-Stücke der deutschen Klassik und Romantik, galt zunächst als Beethoven-Interpretin und war eine der ersten Pianistinnen, die sich ausführlich der Sonaten von Franz Schubert annahm. Das Werk von Wolfgang Amadeus Mozart, für dessen Interpretation sie in späten Jahren berühmt war, lag erst ab den Dreißigern im Mittelpunkt ihres Interesses. Dazu kamen gelegentlich zeitgenössische Kompositionen von Béla Bartók oder Paul Hindemith, wobei Clara Haskils Fokus insgesamt klar auf den Klassikern der Musikgeschichte ruhte.

Aus Anlass ihre 50.Todestags im Dezember dieses Jahres haben die Deutsche Grammophon, die Decca und das Westminster Label nun die Archive durchforstet und eine Werkedition zusammengetragen, die auf 17 CDs die unvergleichliche Schönheit der Musik dieser großen Künstlerin in einer Box vereint. Die „Clara Haskil Edition“ bringt nicht nur ihre berühmten Interpretationen der Werke von Ludwig van Beethoven wieder zu Gehör, sondern auch Raritäten einschließlich ihrer ersten Aufnahmen für die Decca von 1947 von Robert Schumanns „Waldszenen“. Zu den Glanzstücken ihres pianistischen Œvres zählen außerdem Aufnahmen der späten Klavierkonzerte Wolfgang Amadeus Mozarts unter den Dirigenten Ferenc Fricsay und Igor Markevitch sowie ihre Zusammenarbeit mit dem Geiger Arthur Grumiaux, mit dem sie zwischen 1956 und 1958 die bedeutendsten Violinsonaten Mozarts sowie Beethovens komplette Sonaten für Klavier und Violine einspielte. Alles zusammen ergibt eine „Clara Haskil Edition“, die eine legendäre Pianistin portraitiert und als Grundlagenkollektion zeitloser Klavierkunst Spezialisten und Entdecker gleichermaßen anspricht.