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12.10.2010
Claudio Abbado

Pergolesi in der Box

Angesichts der viele Jubiläen in diesem Jahr fiel der 300. Geburtstag von Giovanni Battista Pergolesi beinahe unter den Tisch. Claudio Abbado würdigt den barocken Revoluzzer nun mit einer exquisiten Edition

Claudio Abbado, Pergolesi in der Box © Archiv / UMG The Pergolesi Collection © Archiv / UMG

Eigentlich gab es nur zwei italienische Komponisten des frühen 18.Jahrhunderts, deren Werke in der Rückschau dauerhaft von Bedeutung blieben. Der eine war Alessandro Scarlatti, der andere Giovanni Battista Pergolesi. Er gehörte zu den großen Melodikern seiner Generation, der wahrscheinlich noch weit größeren Ruhm erlangt hätte, wäre er nicht so jung gestorben. Denn Pergolesi wurde bereits im Alter von nur 26 Jahren von der Tuberkulose dahin gerafft. Eisern hatte sich der neapolitanische Komponist aus ärmlichen Verhältnissen nach oben gearbeitet und deutliche Spuren im musikalischen Leben der Barockzeit hinterlassen. Studiert hatte Pergolesi am Conservatorio dei Poveri di Gesù Cristo in Neapel, wo er um das Jahr 1722 aufgenommen wurde, Lehrer wie Gaetano Greco und Francesco Durante hatten ihm den Weg gewiesen, den der junge Mann einfallsreich und voller Esprit weiter ging. Das Publikum kannte ihn vor allem als Opernkomponist, der mit Stücken wie „Salustia“ oder „Lo frate innamorato“ im Theater in Neapel zu hören war.

Obwohl nicht alle Zeitgenossen seine melodische und musikdramaturgische Begabung als solche erkannten, galt sein Name bereits nach wenigen Jahren öffentlicher Bühnenpräsenz als Qualitätsmerkmal und sorgte dafür, dass nach seinem frühen Tod zahlreiche Werke anderer Komponisten von Verlegern in der Hoffnung auf Profit als solche Pergolesis ausgegeben wurden. Der kreative Genius wurde posthum sogar Auslöser des „Buffonistenstreits“, bei dem seine leichte, melodische Komponierweise der französischen „tragédie lyrique“ gegenüber gestellt wurde. Mindestens ebenso wichtig aber war sein Einfluss auf die geistliche Musik des italienischen Barocks. Neben dem „Sabat Mater“ hatte er mehrere Motetten, Messen und Psalmen, wie beispielsweise einen bewegenden Bittgottesdienst im Anschluss an das verheerende Erdbeben in Neapel 1732, geschrieben.

Claudio Abbado
nun habe während der vergangenen Monate mehrere der geistlichen Werke herausgegriffen und in hoch gelobter Form präsentiert. Dazu gehören die „Missa S. Emidio“, das „Salve Regina in f-Moll“, das „Manca la guida al piè“ das „Laudate pueri Dominum“, die der Dirigent mit Orchestra Mozart auf dem Stand der aktuellen historischen Forschung eingespielt und im Februar des Jahres vorgestellt hatte. Dabei standen ihm neben dem Coro della Radiotelevisione Svizzera außerdem herausragende Solistinnen wie die Sopranistinnen Veronica Cangemi, Rachel Harnisch, die Mezzo-Sopranistin Teresa Romano und die Kontra-Altistin Sara Mingardo zur Seite.

Wenige Wochen später folgten mit dem gleichen Team „Dixit Dominus“, „Confitebor tibi, Domine“, „Chi non ode e chi non vede“ und das „Salve Regina in A-Moll“, mit dem Abbado seine Beschäftigung mit Pergolesis Kirchenmusik vervollständigte. Die einzelnen Aufnahmen werden nun anlässlich des Jubiläumsjahres zum 300.Geburtstag des Komponisten in einer Box mit 3CDs zusammengefasst. Damit bietet die „Pergolesi Collection“ einen interpretatorisch herausragenden und zugleich kompakten Überblick über das Werk eines barocken Meisters, der noch viel mehr hätte bewegen können, wäre er ein paar Jahre älter geworden.