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16.09.2010

Leuchtende Sound-Kreaturen: Nik Bärtsch’s Ronin

Auf ihrem dritten Album “Llyrìa” tauchen Nik Bärtsch und seine Band Ronin in neue klangliche Tiefen ab.

Nik Bärtsch's Ronin, Leuchtende Sound-Kreaturen: Nik Bärtsch’s Ronin © by Martin Möll / ECM Records Nik Bärtsch's Ronin © by Martin Möll / ECM Records

Selbst am Meeresboden ist man heute nicht mehr vor Volkszählungen sicher. Als Wissenschaftler kürzlich den “Census of Marine Life” erstellten, entdeckten sie zahlreiche neue Tiere. Einem leuchtenden Bewohner der Tiefsee gaben sie den Namen Llyrìa. Die Kreatur ist so ungewöhnlich, dass die Biologen unsicher sind, wie sie sie einstufen sollen. Doch tief unten im Abgrund, wo der Druck gewaltig ist, gleitet sie flink, und mit kühler poetischer Anmut. Nik Bärtsch, der sein neuestes Album nach dieser Kreatur benannte, genießt die Vorstellung: ein naher Nachbar auf diesem Planeten, über welchen wir so wenig wissen. Kompositionen, so meint er, können sich ebenfalls eigenartig entwickeln. Mit diesem Bild im Kopf werfen Nik Bärtsch und seine Band Ronin nun auf “Llyrìa” ihre Netze in ihren musikalischen Ozean, um unerwartete Formen zu finden, die ihre Veränderungen langsam offenbaren.

Die neue Musik von Ronin vermittelt ein Gefühl der Freiheit, nicht zuletzt durch die periodische Lockerung der rituellen Grooves. Im Wort „Llyrìa“ scheint auch „lyrisch“ auf, und feine komponierte Übergänge in beinahe allen Stücken eröffnen erfrischende melodische Möglichkeiten. Es bietet sich nun mehr Raum, um sich in Nik Bärtschs Kompositionen hineinzubewegen - mehr Raum zum Atmen. Gleich zu Beginn der Aufnahme, auf „Modul 48“, aber auch an anderen Stellen, ist hörbar wie der Altsaxophonist und Bassklarinettist Sha diesen neuen Raum gewinnbringend nutzt. Obwohl Ronin die rhythmischen und formalen Experimente mit motorischen Pulsen fortsetzt, stellt sich eindeutig ein Gefühl der „Ungezwungenheit“ ein. Bärtsch spricht von einem Gravitationssog seiner Themengeflechte: „In unserer Ästhetik versuchen wir nicht, offensichtliche Melodien als Themen in den üblichen Registrierungen zu verwenden, sondern Energiefluss aus den rhythmischen Balancen und verschiedenen ‘Themen’ zu gewinnen, die das Ohr verführen. Dieses Mal geht es weniger um pulsierende Sound Patterns sondern vielmehr um melodische Entwicklungen - mit kleinen Melodien, die ihre eigenen Fugato-Energien ausbilden.“

Und so wie die Llyrìa mit kühler poetischer Anmut flink über den Meeresboden gleitet, so tun dies auf diesem Album nun Pianist Nik Bärtsch, der Holzbläser Sha, Bassist Björn Meyer, Schlagzeuger Kaspar Rast und Perkussionist Andi Pupato. “Llyrìa” ist sowohl auf CD als auch ab November im audiophilen Vinyl-Format
(180-Gramm-Pressung) erhältlich.