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26.05.2010

In memoriam Anneliese Rothenberger

Anneliese Rothenberger, In memoriam Anneliese Rothenberger DG / Fayer Anneliese Rothenberger © Fayer DG

Am 24. Mai starb Anneliese Rothenberger nach kurzer Krankheit im Alter von 83 Jahren im Kantonsspital Münsterlingen in der Schweiz und mit ihr verliert die Musikwelt eine der beliebtesten Sängerinnen der Nachkriegszeit, die sich sowohl auf den internationalen Opernbühnen als auch in der eher leichten Unterhaltung mit traumwandlerischer Sicherheit bewegte. Als Mozart- und Richard Strauss-Interpretin schrieb die Rothenberger Operngeschichte, und ihre Susanna oder Sophie, Pamina oder Zdenka haben die Interpretationsgeschichte dieser Partien über Jahrzehnte hinweg geprägt. So sang sie diese Partie von 1959 bis 1973 jedes Jahr (sic!) bei den Münchener Opernfestspielen in immer derselben Besetzung mit Lisa della Casa als Arabella und Dietrich Fischer-Dieskau als Mandryka! Aber auch in für sie eher ungewöhnlichen Rollen gelang es ihr zu überzeugen, wie etwa die Aufführungen als Bergs Lulu in Hamburg, Montréal und New York oder die Rolle der Madame Bovary in der gleichnamigen Oper von Heinrich Sutermeister, die eigens für sie komponiert und 1966 in Zürich uraufgeführt wurde. Popularität auch außerhalb der Opernszene errang sich die in Mannheim geborene Sopranistin seit Anfang der 70er Jahre vor allem mit ihrer eigenen ZDF-Fernsehshow „Anneliese Rothenberger gibt sich die Ehre“, die regelmäßig Rekord-Einschaltquoten erzielte.

Zu Begin der 90er Jahre zog sich die Rothenberger, die auch eine exzellente Liedinterpretin war, nach einer Krebserkrankung von der Bühne und aus dem Fernsehen zurück und widmete sich fortan vor allem ihrer zweiten Leidenschaft nach der Musik – der Malerei. Auf dein Comeback angesprochen antwortete die sympathische und bescheidene Sängerin einmal schlagfertig: "Besser, die Leute sagen: "Schade, man hört sie gar nicht mehr", als dass sie sagen: "Die Alte singt ja immer noch!" Zuletzt war Anneliese Rothenberger am 26. Oktober 2003 im ZDF aufgetreten, als sie im Konzerthaus Dortmund den ECHO Klassik für ihr Lebenswerk verliehen bekam.

Auf unzähligen Schallplatteneinspielungen sowie in Opern- und Operettenverfilmungen bleibt die Erinnerung an Anneliese Rothenberger lebendig. Auf Deutsche Grammophon sang sie die Zdenka in der erwähnten legendären Besetzung unter Joseph Keilberth auf einem Live-Mitschnitt von den Münchener Opernfestspielen 1963. Dazu einen Live-Mitschnitt von „Don Carlo“ von den Salzburger Festspielen unter Herbert von Karajan sowie fünf Operettenquerschnitte.  Ihre Autobiographie „Melodie meines Lebens“ erreichte eine Rekordauflage.