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01.01.1970

Die Chefs

Vor mehr als drei Jahrzehnten haben Charlie Haden und Keith Jarrett zuletzt gemeinsam ein Album aufgenommen. Nun trafen sich die Jazz-Legenden für „Jasmine“ wieder

Die Chefs © Reto Caduff / ECM Records Keith Jarrett & Charlie Haden © Reto Caduff / ECM Records

Den Bassisten Charlie Haden und den Pianisten Keith Jarrett verbindet eine lange Geschichte. Ihre erste gemeinsame Platte nahmen sie bereits in den späten Sechzigern auf. Damals begleitete der Bassist, der durch seine Arbeit unter anderem mit dem Klangrevoluzzer Ornette Coleman bereits zu den Autoritäten des modernen Jazz gehörte, den Klavier-Newcomer auf „Life Between The Exit Signs“ (1967), dessen Debüt unter eigenem Namen. Es war der Starschuss für eine rege Zusammenarbeit, die sie häufig im Trio mit dem Drummer Paul Motian und mit Gästen wie den Saxofonisten Dewey Redman oder Jan Garbarek zusammenführte. Vorläufiger Schlusspunkt war dann das Album „Eyes Of The Heart“ (1976), nach dem beide Beteiligten wieder getrennte Wege gingen.

Als aber Anfang 2007 der Dokumentarfilmer Reto Caduff ein Portrait über Charlie Haden drehte und die beiden alten Freunde zusammenbrachte, war die Freude über das Wiedersehen groß. Und schließlich jammten Haden und Jarrett auch ein paar Stücke, was ihnen derart Spaß machte, dass sie beschlossen, noch im selben Frühjahr das Treffen in Jarretts Privatstudio zu wiederholen. Diesmal liefen die Bänder und es entstanden eine Reihe ungemein entspannter Aufnahmen zweier Großmeister ihres Business, die ohne Leistungsdruck einfach Musik des Augenblicks festhielten. Dann beschlossen Haden und Jarrett, die Mitschnitte erst mal liegen zu lassen, um aus der zeitlichen Distanz zu entscheiden, ob sie ihren Ansprüchen weiterhin entsprachen.

Die Aufnahmen bestanden die späteren Hörproben und so wurde über Monate hinweg viel diskutiert, welche der Stücke nun tatsächlich den Weg auf ein Album finden könnten. Schließlich entschieden sich Haden und Jarrett für acht Liebeslieder und Balladen, die die persönliche Stimmung der Studio-Tage am besten einfingen. Dazu gehören Klassiker wie „Body And Soul“ und „For All We Know“ ebenso wie in diesem Kontext ungewohnte Komposition wie etwa die wunderbare Soul-Ballade „One Day I'll Fly Away“, die einst Randy Crawford berühmt gemacht hatte. Im Zentrum von „Jasmine“ steht daher nicht das Höchstmaß an Virtuosität, sondern ein Optimum des künstlerische Ausdrucks zweier Koryphäen der Gegenwartsmusik. Und das macht das Album zu einem Klangjuwel dieses musikalischen Frühjahrs.

Besuchen Sie die Künstlerseiten von Keith Jarrett und Charlie Haden auf JazzEcho.