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14.04.2010

Kriminell spannender Bigband-Sound

Mit der Bergen Big Band nahm Gitarrist Terje Rypdal live das Album "Crime Scene" auf

Terje Rypdal, Kriminell spannender Bigband-Sound © John Kelman / ECM Records Terje Rypdal © John Kelman / ECM Records

Dass Terje Rypdal es versteht, für große Formationen zu schreiben und zu arrangieren, hat er in der Vergangenheit schon öfter bewiesen. Bislang arbeitete er bei solchen Projekten, die meist durch Kompositionsaufträge von Festivalveranstaltern initiiert wurden, allerdings vornehmlich mit Sinfonieorchestern und Kammermusikensembles zusammen. Von den Machern des Natjazz Festival in Bergen wurde der Gitarrist aber nun gebeten, Musik für ein modernes Jazzorchester zu komponieren: die Bergen Big Band. Bei der Aufführung von "Crime Scene" stießen zu diesem Orchester mit Trompeter Palle Mikkelborg, Hammond-Organist Ståle Storløkken und Schlagzeuger Paolo Vinaccia außerdem noch ein paar bekannte Weggefährten des norwegischen Gitarristen, die 2003 auch schon auf dem gefeierten Album "Vossabrygg" zu hören waren.

Die Kooperation mit der Bergen Big Band war für Rypdal aus zweierlei Gründen besonders reizvoll. Zum einen, weil zwei der Saxophonisten der Band und ihr Leiter Olav Dale auch Bassklarinette spielen. Einem Musiker wie Rypdal, der es liebt, mit Klängen zu experimentieren, bot dies interessante Ansatzpunkte. "Drei Bassklarinetten! Das allein ermöglicht einem Komponisten schon, ungewöhnliche Klangfarben und neue gestalterische Möglichkeiten auszuprobieren", meint Rypdal. Zum anderen hatte das Ensemble 2007 ein Album mit Variationen über John Coltranes "Meditations" aufgenommen und damit eine für eine Jazzbigband sehr progressive Wahl getroffen. Dabei muss man wissen, dass der vormalige Rockmusiker Rypdal in den 1960er Jahren über den späten Coltrane und insbesondere sein Album "Meditations" selbst zur improvisierten Musik gefunden hatte.

Mit der Hand eines kundigen Regisseurs entwarf Terje Rypdal für "Crime Scene" ein unglaubliches spannendes Szenario, in dem sich sein betont rockig agierendes Ensemble immer wieder überraschend aus kakophonischen Bigbandklängen herausschält und der Musik eine radikale Wendung gibt.
Eindrucksvoll ist auch, wie es den beiden Tenorsaxophonisten Saxophonisten Ole Jakob Hystad und Zontan Vincze gelingt, hier die ekstatische Glossolalie von John Coltrane und Pharoah Sanders aufzugreifen. Wenn dann der Trompeter Palle Mikkelborg attackiert, fühlt man sich im Nu in die aufregendste Phase des Jazz-Rock der 1970er Jahre zurückkatapuliert. Zusätzlichen Witz und Spannung erhält das brillante Gesamtwerk dadurch, dass es mit zahlreichen Ton-Samples aus diversen bekannten Krimis und Mafia-Filmen gespickt wurde. Und Terje Rypdal selbst steuert mit seinen aggressiv-rockigen Gitarrenoli einige der atemberaubendsten Höhepunkte zum Spektakel bei.