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Max Emanuel Cencic

Leo: Non fidi al mar che freme (Scipione nelle Spagne)

Star-Countertenor Max Emanuel Cencic singt "Non fidi al mar che freme" aus der Oper Scipione nelle Spagne, komponiert von Leonardo Leo.

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Ludovico Einaudi, Klangmagie vom Feinsten – Ludovico Einaudis Tour-Edition Elements
Ludovico Einaudi

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Tracklisting

Erkki-Sven Tüür, Oxymoron, 00028947657781

Oxymoron

Erkki-Sven Tüür
Format:
CD
Label:
ECM New Series
VÖ:
27.03.2007
Bestellnr.:
00028947657781
Produktinformation:

"Bittersüß" ist ein Oxymoron. In der Rhetorik steht der Begriff für die Zusammenstellung zweier sich widersprechender Begriffe innerhalb eines Wortes oder einer Figur und bietet eine poetisch elegante Möglichkeit, mit polyvalenten Aussagen zu arbeiten. Damit ist der Bezug zu zeitgenössischen Kompositionsthemen und Gestaltungstechniken klar. Denn auch die Musik hat im Anschluss an ein  intellektuell turbulentes Jahrhundert, das im Kern alle relevanten Formgebungen in Frage gestellt hat, mit der Omnipräsenz der Gegensätze zu tun, die kommentiert, verworfen, integriert werden wollen. Der estnische Komponist Erkki-Sven Tüür (Bild) ging sogar soweit, das "Oxymoron" zum Thema einer Orchesterkomposition und damit einer CD-Produktion zu machen. Gemeinsam mit Valentin Silvestrovs  "Sechster Symphonie" steht er damit im Zentrum der Veröffentlichungen für große Ensembles, mit denen die Reihe ECM New Series in den Frühling startet.
Charmant ist eine biographische Fußnote am Rande. Als der junge Erkki-Sven Tüür (*1959) Ende der Siebziger in seine musikalische Zukunft startete, hatte er zunächst wenig mit zeitgenössischer Musik am Hut. Sein Interesse galt der Rockmusik, wenn auch der progressiven, die er mit der Combo "In Spe" in seiner Heimatstadt Tallinn in Angriff nahm. Heute, mehr als ein Vierteljahrhundert später, gehört er zusammen mit Arvo Pärt zu den wichtigsten baltischen Komponisten, weltweit geschätzt für seinen unmittelbaren und klaren Zugriff auf die Musik, womit er sich sorgfältig sublimiert einen Teil jener Haltung erhalten hat, die ihn in jungen Jahren auf die Bühne getrieben hat. Im Mittelpunkt steht dabei die Umsetzung von Kraft und Energie in klangliche Form, sei es in Form von polymelodischem "vectorial writing" oder auch in wirkungsvollem Umgang mit Gegensätzen: "Ich war schon immer interessiert an der Gegenüberstellung von Oppositionen - Tonalität versus Atonalität, regelmäßige, repetitive Rhythmen versus unregelmäßige komplexe Rhythmen, ruhige Meditation versus explosive Kraft, besonders in den graduellen Transformationen dieser Gegensätze", umschreibt er selbst in den Liner Notes zu "Oxymoron" eine seiner grundlegenden musikalischen Gestaltungsmaximen. Das Album selbst widmet sich diesen Prinzipien in verschiedener kompositorischer Herangehensweise. "Salve regina" folgt als Chor/Ensemblestück deutlich der Idee der Schlichtheit und melodiebasierten Vernetzwerkung, "Ardor - Concerto for Marimba and Orchestra" wiederum arbeitet mit Kontrastmustern, die auf der virtuosen Musikalität des Solisten und Widmungsträger Pedro Carneiro fußen. "Dedication für Cello und Klavier" wiederum erscheint ironisch romantisch in seinem emotional gegensätzliches Motivgeflecht und die 2003 für die Schwazer "Klangspuren" entstandene Titelkomposition ist ein famoses Farbkompositum bis hinein in feinste Schattierungen.

Ähnlich wie sein estnischer Kollege Tüür teilt auch der Ukrainer Valentin Silvestrov (*1937) nicht die Skepsis vieler zeitgenössischer Kollegen gegenüber der Melodie als zentraler melodischer Grundeinheit. Im Gegenteil, sie wird in seinen Werken zu einem sinngebenden Element, wenn sie auch nicht in klassisch linearer Form angewendet wird. Der Mann aus Kiew spricht von einem "melodischen Labyrinth", aus dem heraus die Motive erwachsen, dem sie zu entfliehen versuchen, um schließlich in einer Synopsis auf metastruktureller Ebene vereint zu werden. "Ich versuche, mit dem Ohr zu komponieren, die ganze Form als Melodie zu gestalten. Die Melodien sollten als mehr als Symbole oder Themen verstanden werden, sie stehen dem Prozess näher als dem Resultat. ... Das ganze Gebilde ist melodisch. Die primäre Melodiösität steht für die Musik der Sphären. Die Melodie erscheint als ein fühlendes Wesen, aber funktioniert wie Materie" (Liner Notes). Wie diese "Metamusik" klingt, verdeutlicht Silvestrov mit seiner fünfsätzigen "Sechsten Symphonie" (1994/5, 2000). Sie steht am Ende einer über rund zwei Jahrzehnte dauernden Schaffensphase, die sich mit der Wirkungsmacht des Melodischen auseinandersetzte, und fasst innerhalb einer knappen Stunde seine Vorstellungen vom Fluss der klanglichen Elementen zusammen. Um sie in möglichst idealer Form nun einem internationalen Publikum vorstellen zu können, widmete im Juni 2005 das Radio Symphonie-Orchester des SWR unter der Leitung von Andrey Boreyko fünf Tage lang für ECM New Series der beeindruckenden Komposition und darf sich nun eines umfassenden Echos in der Musikwelt sicher sein.