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Rolando Villazón

Vaga Luna (Ausschnitt)

Startenor Rolando Villazón singt Vaga Luna, komponiert von Vincenzo Bellini.

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Ludovico Einaudi, Klangmagie vom Feinsten – Ludovico Einaudis Tour-Edition Elements
Ludovico Einaudi

Klangmagie vom Feinsten – Ludovico Einaudis Tour-Edition "Elements"

Tracklisting

The Hilliard Ensemble, Missa Media Vita In Morte Sumus, 00602498187920

Missa Media Vita In Morte Sumus

The Hilliard Ensemble
Format:
CD
Label:
ECM New Series
VÖ:
17.02.2006
Bestellnr.:
00602498187920
Produktinformation:

Manchmal hat die Musikgeschichte Lücken. Aus nur noch schwer rekonstruierbaren Gründen bilden sich Diskontinuitäten und Diskursbrüche, die wiederum in der Regel auf eine nachhaltige Veränderung hinweisen. Manchmal aber sind es auch einfache Mechanismen von Neid und Missachtung, Nachlässigkeit und Vergessen, die dafür sorgen, dass bestimmte historische Abschnitte schlechter dokumentiert sind als andere. Umso mehr sind Wissenschaftler und Interpreten fasziniert, wenn sie sich Schwellenkomponisten wie Nicolas Gombert (ca. 1495-1560) zuwenden. Denn mit ihm und Zeitgenossen wie Cristóbal de Morales oder Adrian Willaert wandelt sich die spätmediävale, renaissancehafte Gestaltungskunst in die komplexe Vokalpolyphonie eines Palestrina und Orlando di Lasso.

Die Reformation hatte Europa aus dem Tritt gebracht. Während die radikalen Christen forderten, nur noch sola fide, sola scriptura et sola gratia dem einen Gott zu folgen, bemühten sich die konservativen katholischen Würdenträger um Schadensbegrenzung. Eine der wichtigen Maßnahmen war ein von 1545 bis 1563 einberufenes Konzil in der norditalienischen Stadt Trient, das die brennenden Fragen nach der Reinheit des Glaubens und dem Verhalten der Christenheit neu regeln sollte. Wie weit ins Detail die Auseinandersetzungen gingen, zeigten dabei die massiven Polemiken der katholischen Radikalreformer gegen die Praxis der mehrstimmigen Kirchenmusik. Denn hier wurde gefordert, dass der Text der Liturgie, auch wenn der Lateinisch sei, doch verständlich sein sollte. Das wiederum war aber auch ein Angriff auf Komponisten wie Nicolas Gombert, dem es weniger um die Sprache als um die möglichst kunstvolle fünf- bis sechsstimmige Ausformung des Gesangs (zu Ehren Gottes) ging. Als gegen diese Darstellungsweise gewettert wurde, war er allerdings wahrscheinlich schon gestorben, auch wenn über seine Vita wenig wirklich Gesichertes zu erfahren ist. Man geht inzwischen davon aus, dass er um 1495 im südlichen Flandern geboren wurde. Eine Quelle bezeichnet ihn als einen Schüler Josquin Desprez (um 1440-1521), dem bedeutenden francoflämischen Meister der durchimitierten Vokalmusik der Renaissance. Gombert war wohl bis zu seiner unehrenhaften Entlassung um 1540 als inoffizieller Leiter der Hofkapelle tätig und reiste in dieser Funktion mit Karl V. ausführlich durch Europa. Er komponierte etwa 160 Motetten und zehn Messen, die überwiegend in Sammeldrucken und Handschriften überliefert sind.

In den Erläuterungen im Booklet der Aufnahme der "Missa Media Vita In Morte Sumus" und wichtiger Motetten fasst der Musikwissenschaftler Uwe Schweikert die Charakteristika von Gomberts Musik folgendermaßen zusammen: "Gomberts streng linearer Stil zeichnet sich durch eine weit ausgreifende, auf Wortmalerei verzichtende, gleichsam verinnerlichte und nur sparsam - meist am Phrasenende - mit Melismen arbeitende Melodik aus. Seine Architektur ist von großer Geschlossenheit". Er legt Wert auf dicht gewebte Stimmengeflechte, die wiederum den Anschein eines pausenlosen Flusses der Musik erweckt. Für die Interpreten bedeutet das höchste Konzentration, weitgehend ohne Momente der Erholung, was die Darbietungen von Gomberts Werken vor allem für Spitzenensembles interessant macht. Selbst für das seit drei Jahrzehnten international renommierte Hilliard Ensemble gehören sie zu den Herausforderungen, die mit besonderer Sorgfalt bewältigt werden wollen. Für die im Mai 2002 in der Porpstei von St. Gerold verwirklichten Aufnahmen in der Reihe ECM New Series erweiterten sie die ursprüngliche Besetzung um den Tenor Andreas Hirtreiter und den Bass Robert Macdonald. Damit knüpfen sie an vorangegangene und vielfach ausgezeichnete Projekte mit Werken von Perotin, Orlando di Lasso, Thomas Tallis und Carlo Gesualdo an und erweitern ihr künstlerisches Mosaik mit historisch sorgsam rekonstruierten Kompositionen aus Spätmittelalter und Renaissance um einen weiteren, hell leuchtenden Stein. Und am Freitag, 17. Februar 2006 ist das Hilliard Ensemble mit den Gombert-Entdeckungen um 20 Uhr in München in der Allerheiligen-Hofkirche, Residenzstraße 1, zu Gast. Ein Pflichttermin für Freunde der Vokalmusik.