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21.07.2016

Ganz in seinem Element: Ludovico Einaudi war zu Gast in Köln und begeisterte das Publikum mit kontrastreichen Klängen

Gänsehaut im Kölner Tanzbrunnen - und das nicht, weil die Temperaturen während des Open Air Konzerts eher herbstlich anmuten, sondern weil Ludovico Einaudi vom ersten Ton an eine zauberhaft-kontemplative Atmosphäre kreiert.

Ludovico Einaudi, Ganz in seinem Element: Ludovico Einaudi war zu Gast in Köln und begeisterte das Publikum mit kontrastreichen Klängen © Decca/ Ray Tarantino Ludovico Einaudi

Anfangs wünsche ich mich doch kurz ins stille Rund der Philharmonie, einfach, um mich innerlich noch mehr in die Klänge versenken zu können, die Ludovico Einaudi mit seinen fünf Musikerkollegen dort vorne auf der Bühne zaubert - ohne dabei unter dem bedrohlich bewölkten Himmel von umfallenden Plastikbechern, flatternden Tauben und erstaunlich vielen rastlos umherwandernden Konzertbesuchern abgelenkt zu werden. Die Musik ist zeitweise so zart, so introvertiert, so fragil - sie weckt Beschützerinstinkte in mir.

Doch dann bemerke ich: Ludovico Einaudi beeindruckt die Unruhe nicht im Geringsten. Zum einen vielleicht, weil er konsequent mit dem Rücken zum Publikum am Flügel sitzt und sich auch zwischen den Stücken nicht umwendet. Zum anderen aber sicherlich, weil er einfach ganz in seinem Element ist, wenn er sich am Flügel wie ein Fisch im Wasser in den kontrastreichen Kompositionen seines aktuellen Programms "Elements" bewegt.

Wenn Ludovico Einaudi genüsslich in die Wogen seiner Musik eintaucht, frische musikalische Brisen wehen lässt, alle Anwesenden mit wenigen Tönen wohltuend erdet oder mit energischen Repetitionen rhythmisches Feuer entfacht, dann springt der konzentrierte Funke seiner "Elements" auf die Konzertbesucher über und der Kontakt ist da - und das ganz ohne Blicke, Gesten oder erklärende Worte.

Ludovico Einaudi spricht tatsächlich alleine durch die Musik zu seinem Publikum, das ist faszinierend und zutiefst berührend. Die anderen Musiker ergänzen und bereichern die unverwechselbare Klangsprache des italienischen Pianisten mit Geige, Cello, E-Bass, singender Säge, Vibraphon und Elektronika - oder mit einem geheimnisvollen Blech, das langsam ins Wasser getaucht wird, während der Percussionist es mit dem Schlegel zum Klingen bringt.

Der Abend in Köln ist eine sinnliche und zauberhafte Reise in Ludovico Einaudis Klangkosmos, in dem sich die beeindruckende stilistische Offenheit des italienischen Künstlers wieder einmal offenbart und dessen musikalische Elementarteilchen noch lange nach Konzertende in Herz und Ohren nachhallen.