Geboren 1982 in Schenyang, bekam Lang Lang mit drei Jahren ersten Klavierunterricht bei Professor Zhu Ya-Fen am städtischen Konservatorium. Mit fünf spielte er bereits sein erstes Recital anlässlich eines lokalen Piano-Wettbewerbs und landete auf dem 1. Platz der Schenyang Piano Competition. Mit neun wurde er an das Konservatorium in Peking zu Professor Zhao Ping-Guo empfohlen, der den Jungen in die höheren Weihen der Klavierkunst einführte. Mit beträchtlichem Erfolg, denn bald schon gewann er der Reihe nach die Fifth Xing Hai Cup Piano Competition in Peking, die vierte International Young Pianists Competition in Deutschland und 1995 den renommierten Tschaikowski-Wettbewerb in Tokio.
Im selben Jahr wagte sich Lang Lang an die ersten Großprojekte. So spielte er zum Beispiel mit großem Erfolg sämtlichen Chopin-Etüden im Pekinger Konzertsaal und wurde daraufhin eingeladen, im September des folgenden Jahres als Solist das Inaugural-Konzert mit der China National Symphony darzubieten. Nachdem er seine Ausbildung in China abgeschlossen hatte, zog Lang Lang 1997 in die USA und ging für weitere fünf Jahre bei Gary Graffman am Curtis Institute in Philadelphia in die Lehre. Während dieser Zeit gelang ihm auf spektakuläre Weise der Durchbruch. Als 1999 der Solist André Watts bei der "Gala Of The Century" der Ravinia Festivals kurzfristig erkrankte, sprang sein junger Kollege aus China ein und spielte mit den Chicagoer Symphonikern ein triumphales "Klavierkonzert Nr.1" von Tschaikowsky, ein Stück, dass er bereits seit seinem zweiten Lebensjahr kannte und seit frühen Unterrichtsjahren für sich erarbeitet hatte. Dieser Zufall war der Beginn seiner internationalen Karriere, die nach dem großen Erfolg des Abends durch begeisterte Rezensionen einsetzte. Im Februar 2003 trat Lang Lang mit dem gleichen Ensemble unter der Leitung von Daniel Barenboim im Chicagoer Symphony Center vor die Mikrofone und erfüllte sich den Kindheitstraum, das Konzert mit einem der besten Klangkörper der Szene für die Nachwelt festzuhalten.
Seit dem Tschaikowsky-Ereignis ging es Schlag auf Schlag. Bereits 2001 häuften sich die illustren Termine. Im April stand er zum ersten Mal auf der Bühne der Carnegie Hall zusammen mit der Baltimore Symphony unter Yuri Temirkanov und spielte Griegs Klavierkonzert. Im Juni reiste er mit Wolfgang Sawallisch und dem Philadelphia Orchestra nach Peking und im August stellte er sich bei den Londoner Proms mit Rachmaninow vor. Im folgenden Jahr war er unter anderem in den Londoner Wigmore Hall, in Paris, Japan und beim Schleswig-Holstein Musikfestival und mit einem Fünf-Abend Special beim Ravinia-Festival zu Gast. Er spielte mit Lorin Maazel und den New Yorker Philharmonikern, außerdem mit Franz Welser-Möst, Zubin Mehta, Michael Tilson Thomas und wiederum Wolfgang Sawallisch.
Anno 2003 nahm Lang Lang mit Tschaikowskys und Mendelssohns jeweils erstem Klavierkonzert und den Chicagoer Symphonikern unter der Leitung von Daniel Barenboim die ersten Platte für die Deutsche Grammophon auf. Er folgte ein ereignisreicher Sommer mit zahlreichen Auftritten von Verbier bis Tanglewood und schließlich das bis dato wichtigste Konzert seiner Karriere: das Recital-Debüt in der Carnegie Hall am 7.November 2003. Lang Lang wählte das Repertoire sorgfältig aus - von Schumanns "Abegg-Variationen, op.1" über Schubert "Wanderer-Fantasie" bis hin zu Liszts "Réminiscences du Don Juan de Mozart, S.418" - und vervollständigte es mit Musik aus seiner Heimat ("Eight Memories In Watercolor, op.1", Tan Dun). Und da er ein traditionsbewusster Mensch ist, bat er außerdem seinen Vater Guo-Ren Lang auf die Bühne, einen Virtuosen der zweisaitigen Erhu-Geige, mit dem er ein chinesisches Volkslied anstimmte. Das Konzert wurde ein strahlender Erfolg, die dabei entstandene Aufnahmen auf CD und DVD zum Hit der folgenden Klassiksaison.
Von da an füllte sich Lang Langs Terminkalender in rasantem Tempo. 2004 arbeitete er unter anderem mit der Philadelphia Philharmonic (Christoph Eschenbach), Los Angeles Philharmonic (Marin Alsop), London Philharmonic (Vladimir Jurowski), Orchestre de Paris (Christoph Eschenbach), Israel Philharmonic (Frédéric Chaslin), der Staatskapelle Berlin (Daniel Barenboim), dem Mariinsky Orchester (Valery Gergiev), der Hong Kong Philharmonic (Günther Herbig) und den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle auf der Waldbühne. Das nächste Album entstand mit Rachmaninows "2. Klavierkonzert" und der "Rhapsody on a Theme of Paganini" mit Valery Gergiev am Pult. Im Mai gab er sein Recital-Debut in der Berliner Philharmonie und im Herbst des Jahres wurde er mit einem Echo Klassik Award als "Instrumentalist der Jahres" ausgezeichnet. Die Wintersaison 2004/5 war daraufhin wieder von zahlreichen Konzerten geprägt. Spätestens von diesem Zeitpunkt an war Lang Lang bereits ein Star.
Er eilte von Erfolg zu Erfolg. Wofür andere Künstler Jahre brauchen, benötigt Lang Lang gerade einmal Monate. Er veröffentlicht weitere hoch gelobte Aufnahmen, nach Rachmaninow gemeinsam mit Valery Gergiev (2005) die Sammlung "Dragon Songs" mit chinesischen Meisterwerken und das Album "Memory" (beide 2006), das sich den Stücken seiner eigenen Klavieranfänge widmete. Im folgenden Jahr erscheint das zweite Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven (2007), aufgenommen zusammen mit seinem einstigen Mentor Christoph Eschenbach am Pult. Zwei Soundtracks mit Beiträgen von Lang Lang erscheinen auf CD: "The Banquet" mit Musik von Tan Dun und "The Painted Veil" mit Musik von Alexandre Desplat (Los Angeles Film Critics Association Award und César Preis 2006; Golden Globe 2007). Anlässlich seines Engagements als Kommentator und kultureller Fremdenführer für das ZDF durch das China der Olympischen Spiele wird die Sammlung "Dreams Of China" mit dem vom Ambient-Künstler Schiller komponierten und von Lang Lang umgesetzten Soundtrack-Stück der "Bilder des Tages" veröffentlicht (Juni 2008).
Zu den besonderen Ereignissen der Jahre 2005 bis 2007 nur ein paar Stichpunkte: Anno 2005 wirkt Lang Lang beim zweiten "Konzert für Europa" mit den Wiener Philharmonikern unter Leitung von Zubin Mehta, das in aller Welt gesendet wird mit fast 60 Millionen Zuhörern. Im April 2006 wählt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Lang Lang als "Artist in Residence" für die Saison 2006/07 - er ist der erste Künstler in dieser Position. Zur Eröffnung der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 musiziert er im Olympiastadion München mit den drei Symphonieorchestern der Stadt. In Zusammenarbeit mit dem renommierten Klavierhaus Steinway & Sons entwickelt der Pianist fünf neue Flügel. Lang Langs Album "Memory" mit Werken von Mozart, Chopin, Schumann und Liszt erreicht in nur drei Wochen Platz 1 der Billboard-Klassik-Hitliste. Im selben Jahr übernimmt er für die Kinderhilfsorganisation Unicef die Aufgabe des Unicef-Botschafters, als bislang jüngster Künstler in diesem Amt.
Das Jahr 2007 ist von umfangreichen Konzerttourneen geprägt. Zahlreiche Auftritte mit den führenden internationalen Orchestern präsentieren ihn in Konzerten mit Werken von Chopin, Ravel, Liszt, Bartók, Tschaikowsky, Brahms, Beethoven, Prokofjew, Mozart und Grieg. Zu den besonderen Höhepunkten des Jahres zählen seine Gastspiele bei den Salzburger Osterfestspielen mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Sir Simon Rattle und in der Carnegie Hall mit den Wiener Philharmonikern unter Leitung von Daniel Barenboim. Als erster Pianist überhaupt wagt er 2008 eine Open Air Tour durch Deutschland.
06/2008