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Jessye Norman Biografie

Die Sopranistin Jessye Norman wurde am 15. September 1945 in Augusta in Georgia geboren. Sie begann schon in ihrer Kindheit, ausgiebig zu singen. Ein einschneidendes Erlebnis war eine Radiosendung mit den Sängerinnen Rosa Ponselle und Marian Anderson, die sie besonders faszinierte. Als Tochter eines Versicherungsagenten und einer Lehrerin erfuhr sie zwar keine besondere Förderung, konnte aber trotzdem ein Musikstudium anfangen, dass sie 1967 an der Howard-University in Washington mit Bachelor-Grad abschloss. Weiteren Unterricht bekam sie von Alice Duschak in Baltimore und Pierre Bernac in Michigan. Erstes Aufsehen in der Szene erregte Jessye Norman 1968, als die den angesehenen ARD-Wettbewerb in München mit den 1.Preis gewann. Die Medien wurden aufmerksam und Norman bekam einen Dreijahresvertrag als Ensemble-Mitglied der Deutschen Oper Berlin angeboten. Die junge Frau akzeptierte, gab ihr Debüt als Elisabeth im "Tannhäuser" und war bald darauf in weiteren Rollen wie der Gräfin Almaviva in Mozarts "Le Nozze di Figaro" zu erleben.

1972 debütierte Jessye Norman als Adia unter der Leitung von Claudio Abbado an der Mailänder Scala, war noch im selben Jahr als Kassandra in "Les Troyens" von Berlioz am Covent Garden zu hören und feierte außerdem den Einstand auf den Bühnen ihrer Heimat im Hollywood Bowl. Die folgenden drei Jahre waren von vielfältiger Konzert- und Operntätigkeit geprägt, die sie unter anderem zum Maggio Musicale Fiorentino führte, wo sie an Aufführungen von "Die Afrikanerin" (Meyerbeer) und "Deborah" (Händel) mitwirkte. Zu dieser Zeit begann Norman außerdem, sich auf das Liedrepertoire zu konzentrieren, das sie einst sich über das Nachsingen von Aufnahmen Erna Bergers eingeprägt und im Laufe der Jahre ausgeweitet und perfektioniert hatte. Diese für sie neue Sparte erweis sich als für ihre Stimme besonders geeignet und so sang sie bis 1980 keine weiteren Opern mehr, sondern konzentrierte sich auf die Welt der Lieder, die sie schrittweise zu einem bemerkenswerten Repertoire ausweitete. Zu ihren besonderen Spezialitäten gehörten bald Wagners "Wesendoncklieder", die "Gurrelieder" von Schönberg und Alban Bergs "Altenberglieder". Außerdem beschäftigte sich Norman ausführlich mit französischen Komponisten wie Duparc, Poulenc, Fauré und den Liedern von Mussorgsky, für deren Interpretation sie extra Russisch lernte.

Von 1981 an baute sie weiter ihre internationale Karriere als Lied- und Konzert-Sängerin aus, gab regelmäßig Liederabende bei den Salzburger Festspielen und debütierte 1983 auch an der Met wiederum als Kassandra in "Les Troyens". Während der achtziger und neunziger Jahre war sie an vielen großen Konzerthäusern zu erleben wie der Lyric Opera in Chicago (Debüt 1990 mit Glucks "Alceste"), der Scala, den Wiener Opernhaus, der Deutschen Oper Berlin und dem Royal Opera House in London. Man hörte sie begeistert in bei den Festivals in Verbier, Saito Kinen, Aix-en-Provence und Salzburg. Darüber hinaus begann sie sich seit den Neunzigern auch für den Jazz stark zu machen und erarbeitete selbst Programme mit der Musik von Michel Legrand oder Duke Ellington.

Jessye Norman gehört zu den wichtigsten Stimmen der vergangenen drei Jahrzehnte. Sie wurde für ihre Kunst und ihr humanitäres Engagement 1997 mit dem United States Kennedy Center Honor ausgezeichnet. Außerdem bekam sie mehrere Ehrendoktorhüte verliehen. In ihrer Heimatstadt Augusta wurde ein Amphitheater nach ihr benannt. Sie bekam außerdem viermal einen Grammy überreicht, 1986 für ihrer Aufnahme der Lieder von Maurice Ravel ("Best Classical Vocal Soloist performance"), 1988 als Solistin der prämierten "Lohengrin"-Interpretation von Sir George Solti, 1989 im Rahmen von James Levines "Walküre" und zuletzt 1998 zusammen mit Pierre Boulez und dessen Einspielung von Bartóks "Bluebeard's castle".

6/2005