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17.01.2019

Begnadete Pianistin und Muse Messiaens – Hochwertige Edition von Yvonne Loriod

"Ihre Technik, ihr Gedächtnis, aber auch der vitale Elan fürs Neue galten als sensationell." (FAZ) Nun erscheinen die Véga-Aufnahmen von Loriod in einer Edition: Glanzpunkte der modernen Klavierkunst, sowie zahlreiche Welterstveröffentlichungen.

Diverse Künstler, Begnadete Pianistin und Muse Messiaens – Hochwertige Edition von Yvonne Loriod The Complete Véga Recordings 1956-1963

Außerhalb der Fachwelt ist sie nahezu in Vergessenheit geraten. Dabei gilt Yvonne Loriod bei Kennern seit langem als eine der bedeutendsten Pianistinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr Klavierspiel war von bestechender Rafinesse. Sie kultivierte eine ureigene Klangsprache, die sich besonders durch ihre beeindruckende Grazilität auszeichnet.

Ikone der modernen Klavierkunst: Yvonne Loriod (1924–2010)

Als eine der wenigen Pianistinnen ihrer Generation beherrschte sie die kaum spielbare Klaviersonate Nr. 2 von Pierre Boulez. Ihre Véga-LP von 1960 war, wie der Musikkritiker Gerhard R. Koch in Erinnerung gerufen hat, eine "Klaviersensation". Nie zuvor hatte man solche Töne gehört. Was Loriod mit Boulez, aber auch mit Alban Berg und Anton Webern angestellt hatte, war atemberaubend. Die ebenso formstrengen wie wilden Impressionen, die Boulez in seine berüchtigte Sonate eingebaut hatte, barg sie mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit.

Yvonne Loriod erlangte vornehmlich als Muse von Olivier Messiaen Bekanntheit. Dem großen französischen Avantgardisten, dessen zweite Ehefrau sie im Jahre 1961 wurde, widmete sie tatsächlich einen Großteil ihrer Schaffenskraft. Messiaen schrieb die meisten seiner Klavierwerke in dem Bewusstsein, dass Yvonne sie spielen würde. Er hielt sie für die geeignetste Interpretin seiner Werke, da sie sowohl seine poetischen Absichten verstand als auch seine bisweilen kaum zu realisierenden technischen Ansprüche zu bewältigen wusste.

Enormes Repertoire: Klassik, Romantik, Moderne

Zu Recht gilt die französische Tastenmagierin deshalb als eine der bedeutendsten Interpretinnen von Olivier Messiaen, dessen Klavierwerk sie in puncto Farbintensität, poetische Dichte und spirituelle Tiefe durchdrang wie niemand sonst. Darüber sollte aber nicht vergessen werden, dass sie auch eine glänzende Interpretin anderer moderner Werke war und außerdem tiefe Einblicke in klassische und romantische Literatur besaß. Die Klavierkonzerte von Mozart und das Gesamtwerk von Chopin beherrschte sie bereits als Jugendliche.

Entsprechend souverän ging sie mit solchem Repertoire um, das sie in die Gegenwart zu transportieren half und mit einem modernen, die Hörgewohnheiten des 20. Jahrhunderts berücksichtigenden Gepräge ausstattete. Die gerade erschienene Edition der Pianistin zeichnet ein detailgetreues Bild ihrer Interpretationskunst. Die Ausgabe versammelt die großartigen Véga-Aufnahmen von Yvonne Loriod. Das beinhaltet sowohl Interpretationen klassischer und romantischer Literatur als auch wegweisende Einspielungen modernen Repertoires.        

Noble Edition: Legendäre Véga-Aufnahmen und hinreißende Würdigungen

Die limitierte Edition umfasst 13 CDs. Viele Einspielungen erscheinen erstmals in digitaler Gestalt. Manche Aufnahmen erblicken jetzt erst das Licht der Öffentlichkeit, darunter eine legendäre Einspielung von Messiaens berühmter Turangalîla-Sinfonie, hier in höchster Tonqualität neu gemastert, in einer pulsierenden Interpretation des Orchestre National de France unter der Leitung von Maurice Le Roux:

Yvonne Loriod hochkonzentriert am Klavier, ihre Schwester Jeanne mit beeindruckenden Klängen am Ondes Martenot, jenem elektronischen Tasteninstrument, das als Vorläufer des Synthesizers gilt. Daneben: Zahlreiche Schlüsselwerke der modernen Klavierkunst, stets dargeboten mit bestechender Souveränität. Loriod macht die komplexen Klangsprachen von Größen wie Pierre Boulez, Arnold Schönberg oder eben Messiaen transparent.

Dabei erzielt ihre poetisch sensible und glasklare Diktion eine eigentümlich soghafte Wirkung, die sich stets auch einstellt, wenn sie Mozart, Liszt oder Chopin spielt. Davon zeugt diese hinreißende Edition, die mit Messiaens "Huit Préludes" und Strawinskys "Pétrouchka" übrigens zusätzlich noch imponierendes Bonusmaterial aus dem Fundus der Labels Boîte à Musique und Club Français du Disque bereithält.

Dass hinter einer so feinsinnigen Klavierkunst eine außerordentliche Persönlichkeit stehen muss, dokumentiert das informative Booklet. Der Text sowie das Bildmaterial zeigen eine ebenso nachdenkliche wie entschlossene Frau. Die freundschaftlichen Berichte von Véga-Produzent Claude Samuel und Loriod-Schüler Roger Muraro erinnern an die menschliche Wärme der Pianistin.