»Claudio Abbado ist einer der seltenen Dirigenten, die mit zunehmendem Alter offenbar immer jugendlicher und neugieriger werden, während sein Musizieren zugleich noch an Tiefe gewinnt.«
Daily Telegraph, London
1960 debütierte Claudio Abbado am Teatro alla Scala in seiner Heimatstadt Mailand und war von 1968 bis 1986 Musikdirektor dieses Hauses. Von 1983 bis 1986 war er Musikdirektor des London Symphony Orchestra. Die Wiener Philharmoniker leitete er 1965 zum ersten Mal, war von 1986 bis 1991 Musikdirektor der Wiener Staatsoper und wurde 1987 Generalmusikdirektor der Stadt Wien. 1988 rief er das Festival »Wien Modern« ins Leben. Der musikalische Nachwuchs war Claudio Abbado stets ein besonderes Anliegen: als Gründer und Musikdirektor des Jugendorchesters der Europäischen Gemeinschaft und des Gustav Mahler Jugendorchesters, künstlerischer Leiter des Chamber Orchestra of Europe sowie Gründer und Chefdirigent des Lucerne Festival Orchestra. Er nimmt seit 1967 für die Deutsche Grammophon Gesellschaft auf. In seiner Diskographie sind besonders die Gesamtaufnahmen des symphonischen Werkes von Beethoven, Brahms, Mahler, Mendelssohn, Schubert und Ravel sowie über 20 Opern-Gesamteinspielungen hervorzuheben.
Zu Abbados zahlreichen Ehrungen und Auszeichnungen gehören das Gran Croce, die höchste Auszeichnung Italiens, das französische Kreuz der Ehrenlegion und das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Die Wiener Philharmoniker verliehen ihm 1973 den Ehrenring und 1980 die Goldene Nicolai-Medaille; 1985 erhielt er in Wien die Goldmedaille der Internationalen Gustav Mahler Gesellschaft für seine Verdienste um die Musik Gustav Mahlers, 2004 in Düsseldorf den Kythera-Preis für seine zahllosen Beiträge zur Musikkultur. 2005 wurde er Ehrenbürger der Stadt Luzern. Abbado ist Ehrendoktor der Universitäten von Aberdeen, Ferrara und Cambridge und Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien und der Wiener Konzerthausgesellschaft.
1989 Wird von den Berliner Philharmonikern zum ständigen Dirigenten und künstlerischen Leiter ernannt, eine Position, die er bis 2002 innehat
1990 Wagners Lohengrin an der Wiener Staatsoper. CD: Mussorgskys Chowanschtschina
1991 Auf CD erscheint seine erste Mahler-Einspielung mit den Berliner Philharmonikern (Symphonie Nr. 1)
1992 Janáčeks Aus einem Totenhaus bei den Salzburger Festspielen. CDs: Vollständiger Brahms-Zyklus mit den Berliner Philharmonikern; Debussys Pelléas et Mélisande
1993 Tourneen mit den Berliner Philharmonikern nach Israel und in die USA. CD: Verdis Requiem
1994 Künstlerische Leitung der Salzburger Osterfestspiele. Dirigiert Mozarts Le nozze di Figaro mit den Wiener
Philharmonikern; Boris Godunow bei den Salzburger Festspielen. Wird mit dem Ernst-von-Siemens-Preis, Deutschlands renommiertestem Musikpreis, ausgezeichnet. CDs: Lohengrin und Mahlers Zweite Symphonie
1995 Elektra bei den Salzburger Osterfestspielen. CDs: Figaro und Schönbergs Gurrelieder mit den Wiener Philhar¬monikern sowie Mahlers Achte Symphonie mit den Berliner Philharmonikern
1996 Otello bei den Salzburger Osterfestspielen; Elektra beim Maggio Musicale in Florenz
1997 Bachs Matthäus-Passion bei den Salzburger Osterfestspielen; Wozzeck bei den Salzburger Festspielen
1998 Boris Godunow bei den Salzburger Osterfestspielen; Wagners Tristan und Isolde in Berlin. CD: Mozarts Don Giovanni
1999 Tristan und Isolde und die h-moll-Messe bei den Salzburger Osterfestspielen. Gastiert mit den Berliner Philhar¬monikern in Moskau, London, Paris und den USA
2000 Verdis Simon Boccanegra bei den Salzburger Osterfestspielen. Konzerte mit den Berliner Philharmonikern in Südamerika und Japan
2001 Verdis Falstaff bei den Salzburger Osterfestspielen; die Produktion wird in Berlin aufgezeichnet (Record Academy Prize, Tokio, 2001; Echo-Preis 2002). Wagners Parsifal in Berlin
2002 Abschiedsvorstellungen als künstlerischer Leiter der Salzburger Osterfestspiele (Parsifal). Simon Boccanegra beim Maggio Musicale. CDs: Berlin Album sowie Mahlers Symphonien Nr. 3 (Diapason d’or 2002), Nr. 7 (Choc du Monde de la Musique 2002) und Nr. 9 (Choc du Monde de la Musique 2002; CD Compact 2003) mit den Berliner Philharmonikern
2003 CDs: Orchestermusik von Debussy und Wagner mit den Berliner Philharmonikern sowie Schubert-Lieder in Orchesterfassungen mit Anne Sofie von Otter und Thomas Quasthoff (Grammy® 2004)
2004 Mozarts Così fan tutte mit dem Mahler Chamber Orchestra in Italien; Beethoven und Hindemith beim Lucerne Festival. Veröffentlichungen: Mahlers Zweite (Choc du Monde de la Musique und Diapason d’or 2004; Prix Caecilia 2005); Debussys La Mer mit dem Lucerne Festival Orchestra; Klavierkonzerte von Beethoven mit Martha Argerich (Grammy® 2006); Sempre libera, Opernarien mit Anna Netrebko (Echo-Preis 2005)
2005 Mozarts Zauberflöte mit dem Mahler Chamber Orchestra in Baden-Baden und Italien. Veröffentlichungen: Mahlers Symphonien Nr. 4 und Nr. 6 mit den Berliner Philharmonikern (Gramophone Award und Echo-Preis 2006 für Nr. 6)
2006 Dirigiert Beethovens Neunte mit dem Simón Bolívar National Youth Orchestra of Venezuela in Caracas und Italien; die Berliner Philharmoniker und Anne Sofie von Otter in der Philharmonie; das Orchestra Mozart und Carmignola in Italien und Salzburg. Beim Lucerne Festival führt er mit dem Festspiel-Orchester Werke von Mozart (Arien mit Cecilia Bartoli), Mahler, Martin, Brahms (Klavierkonzert Nr. 2 mit Pollini) und Bruckner auf. Aufführungen und Einspielung der Zauberflöte mit dem Mahler Chamber Orchestra (Gramophone Award 2006). Veröffentlichung von The Mozart Album mit Gesangsstars der Deutschen Grammophon
2007 Bachs Brandenburgische Konzerte mit Carmignola und dem Orchestra Mozart in Italien, mit dem Lucerne Festival Orchestra in Luzern und bei den BBC Proms. Veröffentlichungen: Schumanns Cellokonzert (Gutman) und Brahms’ Serenade Nr. 1 mit dem Mahler Chamber Orchestra; Höhepunkte aus der Zauberflöte. DVDs: Wiederveröffentlichungen von Peter und der Wolf und des Neujahrskonzerts 1991 mit den Wiener Philharmonikern
2008 Beethovens Fidelio mit dem Mahler Chamber Orchestra; Berlioz’ Te Deum und Beethovens Klavierkonzert Nr. 4 (Pollini) mit den Berliner Philharmonikern; Pergolesi und Mozart mit dem Orchestra Mozart; Ravel, Debussy, Berlioz, Tschaikowsky, Strawinsky und Rachmaninow mit dem Lucerne Festival Orchestra. DG feiert Abbados 75. Geburtstag mit zahlreichen Veröffentlichungen: Beethovens neun Symphonien (auf der Grundlage der Aufnahmen in Rom vom Februar 2001); Mozarts Violinkonzerte (Carmignola) und die Sinfonia concertante sowie die Symphonien Nr. 29, 33, 35, 38 und 41 mit dem Orchestra Mozart; eine Sammlung von Märschen und Tänzen; Beethovens Klavierkonzerte mit Pollini und den Berliner Philharmonikern. Auf DVD erscheint Abbado in Concert
2009 Mahlers Symphonie Nr. 4 und Brahms’ Klavierkonzert Nr. 1 (Grimaud) mit dem Simón Bolívar Youth Orchestra of Venezuela in Caracas; Prokofjews Klavierkonzert Nr. 3 (Yuja Wang) und Leutnant Kische, Symphonien und Bläserkonzerte von Mozart, Schuberts Symphonie Nr. 4 und Pergolesi mit dem Orchestra Mozart in Italien; Beethovens Symphonie Nr. 5, Richard Strauss’ Vier letzte Lieder und Mozarts Requiem mit dem Mahler Chamber Orchestra in Italien; Schubert, Mahler und Debussy in Berlin. Beim Lucerne Festival Mahlers Symphonien Nr. 1 und 4, Prokofjews Klavierkonzert Nr. 3 (Yuja Wang) und Mahlers Rückert-Lieder (Magdalena Kožená) mit dem Lucerne Festival Orchestra; im September dirigiert er das Festspiel-Orchester in Peking – auf dem Programm stehen Prokofjews Klavierkonzert Nr. 3 (Yuja Wang) und Mahlers Symphonie Nr. 1. Veröffentlichungen: Stabat Mater, Salve Regina und Violinkonzert von Pergolesi mit Giuliano Carmignola und dem Orchestra Mozart anlässlich des 300. Geburtstags von Pergolesi im Jahr 2010; Wiederveröffentlichung von Haydns sieben »Londoner« Symphonien mit dem Chamber Orchestra of Europe anlässlich des 200. Todestags des Komponisten. DVD: A Russian Night vom Lucerne Festival 2008 – Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 2 (Grimaud), Strawinskys L’Oiseau de feu und Tschaikowskys Der Sturm mit dem Lucerne Festival Orchestra
3/2009