Der ungarische Cellist Miklós Perényi gehört zu den profiliertesten Solisten seines Fachs. Mit seinem bevorzugten Partner für Kammermusik, dem Pianisten András Schiff, hat er 2010 eine Gesamtaufnahme der Kompositionen Ludwig van Beethovens für Klavier und Violoncello für ECM New Series eingespielt, die mit dem Jahrespreis der Deutschen Plattenkritik und dem Cannes Classical Award ausgezeichnet wurde. Nun präsentiert das Münchner Label von Manfred Eicher sein erstes Album als Solo-Künstler "Britten / Bach / Ligeti".
Historische Querverbindungen
In der Gegenüberstellung von Benjamin Brittens Cello-Suite Nr. 3 und Johann Sebastian Bachs Suite Nr. 6 wirft Perényi einen Blick in die Musikgeschichte, der interessante Verbindungslinien ans Licht bringt. Die Suite Nr. 6 ruft Erinnerungen an den großen Bach-Apologeten Pablo Casals wach, der zu den Lehrern Perényis gehörte. Und mit der Britten-Komposition präsentiert er ein Werk, das eine deutliche Beeinflussung durch die Bach'sche Rhetorik zeigt. Britten schrieb seine Cello-Suiten für den Freund Mstislav Rostropovich, nachdem er dessen Interpretationen der Bach-Suiten gehört hatte. Und der russische Cellist rühmte im Gegenzug jedes der Werke, äußerte jedoch seine besondere Bewunderung für die dritte Suite aus dem Frühjahr 1971, die er als einen Genistreich bezeichnete. In das Gewebe des thematischen Materials hat Britten, der eine tiefe Faszination für die Geschichte Russlands hegte, die Fragmente dreier russischer Volkslieder aus Arrangements von Tschaikowski eingewoben und sie im letzten der neun Sätze zu voller Entfaltung gebracht.
Energetischer und eleganter Zugriff
Die sich anschließende Cello-Suite Nr. 6 (BWV 1012), vermutlich für ein fünfsaitiges Instrument geschrieben, gilt als Bachs schwierigste Solo-Komposition für das Cello. Doch scheinbar mühelos gelingt Perényi eine wunderbar elegante Darbietung der Tänze, deren energetischer Zugriff an seinen Lehrer Casals gemahnt, jedoch auch den dunkleren Ton und den strafferen rhythmischen Zugriff aufweist, der Rostropovichs Spiel kennzeichnet. Den Abschluss dieses in der vorzüglichen Akustik des Auditorio Radiotelevisione svizzera aufgenommenen Albums bildet eine Rückkehr in Perényis Heimatland und zu der Cello-Sonate György Ligetis, die in den Jahren 1948-1953 noch unter dem Einfluss Kodálys und Bartóks entstand.










